Teil III: Interview mit einem Vampir ‑Madeleines Medaillon

Teil III: Interview mit einem Vampir ‑Madeleines Medaillon

Wer hät­te gedacht, dass “Inter­view mit einem Vam­pir” so vie­le wun­der­ba­re Schmuck­stü­cke enthält.

Im 1. Teil  hat das „Fin­ger­na­gel­schmuck­werk­zeug“ das Wesen von Les­tat offen gelegt, und uns die gro­ße Fan­ta­sie der Film­stu­di­os, auch in der Schmuck­her­stel­lung, gezeigt.  Im 2. Teil kam Lou­is an die Rei­he, des­sen melan­cho­lisch-roman­ti­scher Cha­rak­ter mit Posy –Rin­gen unter­stri­chen und insze­niert wird. Armer Louis:(

Und ja, es gibt noch mehr Schmuck im Film, – und an die­se Sze­ne kannst du dich mit Sicher­heit erin­nern. Denn Lou­is ist nicht der Ein­zi­ge dem sei­ne Fami­lie genom­men wurde.

Falls du den Film noch nicht kennst, fin­dest du in Teil 1 eine Zusammenfassung.

Madeleines Medaillon – Claudias Doppelgängerin

Lou­is und Clau­dia befin­den sich in Paris, und sind auf der Suche nach ande­ren Vam­pi­ren. Sie ler­nen Armand (Anto­nio Ban­de­ras) und sein Nest ken­nen. Clau­dia merkt, dass Lou­is nach einem Lehr­meis­ter sucht, und gibt ihn “frei”. Da sie aber dazu ver­dammt ist, für immer in einem Kin­der­kör­per zu sein, braucht sie einen neu­en Beglei­ter. Als Ersatz hat sie eine Frau gefun­den, die ihre Toch­ter ver­lo­ren hat. Sie heißt Made­lei­ne, und Clau­dia stellt sie Lou­is vor. Er fragt sie, war­um sie denn ein Leben als Vam­pir, an der Sei­te von Clau­dia, füh­ren möch­te. Dar­auf­hin zeigt sie ihm ein Medail­lon, das an ihrem Kleid befes­tigt ist. Sie öff­net es. Dar­in befin­det sich ein gemal­tes Por­trait von einem Mäd­chen, das Clau­dia, wie aus dem Gesicht geschnit­ten ist. Sie könn­te ihre Dop­pel­gän­ge­rin sein. Der Name Made­lei­ne kommt übri­gens im Fran­zö­si­schen in der Rede­wen­dung “pleu­rer com­me une Madeleine“vor, – und bedeu­tet so viel wie “zum Stei­ner­wei­chen wei­nen”. Sehr wahr­schein­lich wur­de der Name mit Absicht gewählt,  denn auch die Cha­rak­te­ri­sie­rung von Made­lei­ne wird durch ihre Trau­er aus­ge­drückt. Die Schmuck­stü­cke sind wie bei Lou­is und Les­tat,- Aus­druck ihrer Persönlichkeit.

Schmuckstücke in Interview mit einem Vampir Teil 3
Die ver­stor­be­ne Toch­ter Madeleines
Claudia an der Seite von Madeleine in Interview mit einem Vampir
Hier siehst du Clau­dia, die dem Por­trait sehr ähn­lich sieht.

Trauerschmuck wird zum Hype

Eine Masche mit schwar­zen Stei­nen ver­ziert das Schmuck­stück, der vik­to­ria­ni­schen Trau­er­schmuck dar­stellt. Das gemal­te Por­trait, war zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts noch gän­gi­ge Pra­xis, da Foto­gra­fien, zwar mög­lich, aber für den Groß­teil der Bevöl­ke­rung zu kost­spie­lig waren. Trau­er­schmuck wur­de nicht nur in Eng­land und Ame­ri­ka, son­dern auch in Frank­reich getra­gen. Die klei­nen Por­traits wur­den beson­ders ger­ne in Bro­schen und Rin­gen gefasst, oft mit einer Haar­lo­cke des gelieb­ten Men­schen.  Trau­er zu tra­gen war nicht nur einem furcht­ba­rem Ereig­nis geschul­det, es wur­de gera­de­zu ein Hype dar­aus. Da die Sterb­lich­keit sehr hoch war, war der Bedarf nach pas­sen­der Klei­dung und Andenken an die Ver­stor­be­nen eben­so groß.  Die Mode bedien­te die ver­schie­de­nen Geschmä­cker und Bedürf­nis­se ihrer Kun­den. Als die ers­ten Kauf­häu­ser in Frank­reich und Eng­land ent­stan­den, gab es gan­ze Eta­gen, die  Trau­er­be­klei­dung, Acces­soires und Schmuck anbo­ten. Dabei war bald nicht nur die Far­be schwarz erlaubt, son­dern es gab auch Trau­er­ab­stu­fun­gen, die mit Far­be aus­ge­drückt wur­den. Beson­ders beliebt war die Far­be wil­de Mal­ve (engl.mauve), ein hel­les Vio­lett. Schmuck gab es in ver­schie­de­nen Preis­klas­sen, und war bereits ein Mas­sen­ar­ti­kel. Auch Leu­te, die nicht viel besa­ßen, konn­ten sich einen hüb­schen Anhän­ger leis­ten. Der Schmuck konn­te ein Imi­tat aus Zink und Kup­fer sein, was Gold sehr ähnel­te, oder er war mit einer dün­nen Schicht Gold überzogen.

Influencerin Königin Viktoria

Vik­to­ria­ni­scher Trau­er­schmuck wur­de unglaub­lich popu­lär. Heu­te wür­de man sagen, die rich­ti­ge Influ­en­ce­rin war aktiv. In die­sem Fall war  Queen Vic­to­ria  -(daher auch der Name vik­to­ria­ni­scher Trau­er­schmuck), die ihren gelieb­ten Ehe­mann Prinz Albert betrau­er­te, die Haupt­ak­teu­rin. Bis zu ihrem eige­nen Tod,- leg­te sie die Trau­er­klei­dung nicht mehr ab, schmück­te aber ihre Klei­dung mit zahl­rei­chen Acces­soires. Der Hof mach­te es ihr, ‑wie üblich- nach, und für die rest­li­che Bevöl­ke­rung war wie­der­rum die Hof­ge­sell­schaft Vor­bild. Der Hype schwapp­te in der Fol­ge auch nach Euro­pa und Ame­ri­ka über.

Memento Mori – Gedenke, also bin ich

Trau­er­schmuck ist etwas sehr per­sön­li­ches, daher gab es nicht nur Rin­ge, Ket­ten, Bro­schen, Ohr­rin­ge, Haar­schmuck, Uhren, Hut­na­deln, Anste­cker und Arm­rei­fen,  ‑son­dern auch klei­ne Schlös­ser und Medail­lons, wor­in man Andenken von gelieb­ten Toten auf­be­wah­ren konn­te. Haa­re für Schmuck, oder zur Auf­be­wah­rung in Schmuck­stü­cken, waren beliebt.-  Sie waren unver­derb­lich, aber mit Sicher­heit wur­de auch mit ande­ren, mög­li­cher­wei­se weni­ger geeig­ne­ten Erin­ne­rungs­stü­cken, expe­ri­men­tiert. Der Trau­er­kult im vik­to­ria­ni­schen Zeit­al­ter,- kann mei­ner Mei­nung nach in Ver­bin­dung mit dem christ­li­chen Reli­qui­en­kult gese­hen wer­den. Gebei­ne von hei­li­gen Toten, gehüllt in Spit­ze,- Gold, und Edel­stei­nen, sind bis heu­te,- in vie­len Kir­chen, zu bestau­nen ‚wobei einem ein etwas schau­ri­ges Gefühl beschleicht. Der Tod war nicht aus­ge­grenzt, er befand sich mit­ten unter uns, und wur­de gezeigt und zur Schau getra­gen. Der Aus­druck “Memen­to Mori”, mit dem Trau­er­schmuck oft in Ver­bin­dung gebracht wird, bedeu­tet “Geden­ke des Todes”. Geden­ken ist hier­bei aber nicht nur in Bezug auf die Ver­stor­be­nen gemeint, son­dern ver­weist auch auf das irdi­sche Sein und die eige­ne Vergänglichkeit.

Viktorianischer Trauerschmuck in Interview mit einem Vampir
Made­lei­ne trägt Trau­er, die Ohr­rin­ge, das Spit­zen­hals­band und das Medail­lon sind vik­to­ria­ni­scher Trauerschmuck

Schwarze Tränen der Ewigkeit

Auf dem Bild siehst du, wie Made­lei­ne gera­de ihr Hals­band abnimmt, und sich Lou­is für einen klei­nen Snack anbie­tet. Die Fil­me­ma­cher ver­wen­den Schmuck, um zahl­rei­che  Infor­ma­tio­nen zu transportieren.

Unter dem Spit­zen­hals­band ver­birgt Made­lei­ne die Biss­spur, die Clau­dia hin­ter­las­sen hat. Clau­dia hat­te ver­sucht, Made­lei­ne zu ver­wan­deln, doch es war beim Ver­such geblie­ben, denn ihr fehl­te die nöti­ge Kraft. Wäre es ein Anhän­ger mit einem Medail­lon gewe­sen, hät­te er die Sze­ne gestört. In die­sem Moment ist der Hals für die Kame­ra wich­tig und genau dort sollst du auch hin­se­hen. Denn es erklärt das, was wir nicht gese­hen haben, den erfolg­lo­sen Ver­such von Clau­dia, sie zu verwandeln.

Der Ohr­schmuck ist ein wei­te­rer Bestand­teil von Made­lei­nes Trau­er­ac­ces­soires.  Wun­der­schö­ne schwar­ze Trop­fen bau­meln an ihren Ohr­läpp­chen, schwar­ze Trä­nen der Ewig­keit. Das Wort Pam­peln klingt jetzt nicht so fan­tas­tisch, so wird aber die Schliff­form genannt. Die Pam­peln sind sehr wahr­schein­lich aus Gagat. Gagat besteht aus fos­si­lem Holz, das sich im Über­gang von Braun- zu Stein­koh­le befin­det und mit Erd­öl imprä­gniert ist.

Ich kann dir aus per­sön­li­cher Erfah­rung berich­ten, dass Gagat zum Glück nicht mehr nach Erd­öl riecht, son­dern ziem­lich unspek­ta­ku­lär duf­tet. Bern­stein, der aus fos­si­lem Baum­harz besteht, ver­strömt übri­gens einen wun­der­ba­ren Duft, wenn man ihn schleift. Gagat kennst du viel­leicht unter dem Namen Yet,- oder Jett. Ein gro­ßes Abbau­ge­biet fin­det sich an den Klip­pen von Whit­by in York­shire (Eng­land). Queen Vic­to­ria ver­schaff­te den eben­dort ansäs­si­gen Schlei­fern,- für eini­ge Zeit,- ein sehr gutes Geschäft.  Gagat war so beliebt, dass er imi­tiert wer­den muss­te, um den Bedarf zu decken. Der Kunst­stoff Ebo­nit war zum Bei­spiel ein gän­gi­ger Gaga­ter­satz. Aus ihm wer­den heu­te noch Mund­stü­cke von Blas­in­stru­men­ten, wie Saxo­phon,- oder Kla­ri­net­te, her­ge­stellt. Auch da kann ich dir sagen, das es Gagat sehr ähn­lich sieht und eben­so glänzt. Ich habe noch immer ein Mund­stück aus frü­he­ren Zei­ten zuhau­se herumliegen.

Der Film “Interview mit einem Vampir” hat mir wieder einmal die Augen geöffnet, wie Schmuck im Film eingesetzt wird. Er vermittelt Szenen, erzeugt Stimmungen und bindet dich emotional in die Handlung  ein. 

Hat dir mein Arti­kel neue Ein­bli­cke ver­schafft und dein Inter­es­se geweckt?

Wel­che Schmuck­stü­cke fal­len dir ein, wenn du an einem Film denkst? Gibt es ein Schmuck­stück in einem Film, wor­über du mehr erfah­ren möchtest? 

Wenn ja, dann schreib mir, oder tra­ge dich in mei­nen News­let­ter ein. Neue span­nen­de Infos war­ten auf dich:) 

Wei­te­re Quellen:

  • (Film) Neil Jor­dan. Inter­view mit einem Vampir.(1994 USA)
  • TC:1:28:29; TC:1:27:14; TC:1:26:25
  • Clif­ton D. Bryant. Hand­book of death&dying.Volume one the pre­sence of death (2003 USA)
  • José Blan­co (edit.) Clot­hing and fashion. Ame­ri­can fashion from head to toe.Volume I: Pre ‑colo­ni­al times through the ame­ri­can revo­lu­ti­on (2016 USA)

3 Gedanken zu „Teil III: Interview mit einem Vampir ‑Madeleines Medaillon

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