Teil II: Interview mit einem Vampir- Goldringe für die Ewigkeit

Teil II: Interview mit einem Vampir- Goldringe für die Ewigkeit

Im ers­ten Teil war Les­tat und sein Fin­ger­na­gel­schmuck der Mit­tel­punkt mei­ner Schmuck­ana­ly­se. Dies­mal wid­men wir uns Lou­is (Brad Pitt) dem wei­nen­den Vampir.

Kennst du den Film? Falls nicht, kein Pro­blem. In Teil I fin­dest du eine Zusam­men­fas­sung und den Trai­ler.

Der Vam­pir Les­tat, ist im Ver­gleich zu Lou­is (Tom Crui­se), ein sehr extro­ver­tier­ter Cha­rak­ter, der sich ger­ne in der High Socie­ty bewegt. Lou­is ist anders, er war Guts­be­sit­zer, und ver­lor sei­ne Frau und Kind in jun­gen Jah­ren. Die­se Trau­er lässt ihn auch Jahr­hun­der­te spä­ter nicht los. Sie wird zu einem Teil sei­ner Per­sön­lich­keit und drückt die Mensch­lich­keit aus, nach der sich die Vam­pi­re Les­tat und Armond (Anto­nio Ban­de­ras) so sehr sehnen.

Lou­is zeich­net aber noch etwas ande­res aus. Er trägt an bei­den Hän­den einen schlich­ten gol­de­nen Ring. An der rech­ten Hand befin­det er sich am Ring­fin­ger, und an der lin­ken Hand am klei­nen Fin­ger. Sie gehö­ren zu sei­ner fil­mi­schen Cha­rak­te­ri­sie­rung, denn es sind nicht ein­fach nur Fin­ger­rin­ge, son­dern es sind Gold­rin­ge für die Ewigkeit.

Interview mit einem Vampir. Louis trägt Posyringe.
Cha­rak­te­ri­sie­rung der Film­fi­gur Lou­is mit Hil­fe von Fingerringen.

Auf die­ser Bild­auf­nah­me siehst du deut­lich bei­de Rin­ge. Lou­is ver­sucht gera­de ein mensch­li­ches Opfer zu ver­spei­sen, bedient sich aber dann an den Pudeln der Dame.

Trägt Louis einen Ehering?

Du wirst dir sicher gedacht haben, dass der Ring, am Ring­fin­ger, ein Ehe­ring ist. Das wäre auch logisch, und irgend­wie stimmt es auch, aber dann doch wie­der nicht so ganz. Für die Zeit in der, der Film spielt 1791, war es für Män­ner nicht unbe­dingt üblich Ehe­rin­ge zu tra­gen. Erst ab dem 20. Jahr­hun­dert war es Brauch für Män­ner Ehe­rin­ge zu tra­gen. Bei Frau­en sind die­se bereits seit dem Alten Ägyp­ten belegt.

Warum sind es nicht einfach nur Eheringe?

Das Rät­sel löst schließ­lich der Ring am klei­nen Fin­ger. Es han­delt sich um den Ring sei­ner ver­stor­be­nen Ehe­frau. Die bei­den Rin­ge sind Posy- Rin­ge, und wer roman­tisch ist, kann jetzt ins Schwär­men kom­men. Sie über­tref­fen einen Ehe­ring, der oft mehr Kauf­ver­trag als Lie­bes­be­weis war, um eini­ges. Posy- Rin­ge, auch Poe­sie-Rin­ge genannt, wur­den seit dem Mit­tel­al­ter getra­gen. Sie wur­den mit einem per­sön­li­chen Spruch an der Außen­sei­te ver­se­hen. Zu Zei­ten von Lou­is und Les­tat wur­de die Schrift auf die Innen­sei­te ver­legt. Posy­ri­n­ge wur­den damals immer belieb­ter. Sprü­che wie „Lie­be mich und ver­las­se mich nicht“, oder „ zwei Kör­per ein Herz“ wur­den ein­gra­viert. So konn­te die Bot­schaft geheim, und nahe bei sich getra­gen wer­den. Paa­re gaben sich damit gegen­sei­tig ein inti­mes Lie­bes – und Lebens­ver­spre­chen. Wei­te­re Ehe­ring­for­men waren der Fede- und der Gim­mel­ring, die aber for­mel­ler waren.

  • Kom­men wir zurück zu Lou­is. Im Film wer­den die Rin­ge, als Teil sei­ner Per­sön­lich­keit insze­niert. Als Lou­is dem Repor­ter erzählt, wie er Clau­dia ver­lo­ren hat, fällt eine Trä­ne auf den klei­nen Fin­ger mit dem Gold­ring. Es wird nur die Hand, die Trä­ne, und der gol­de­ne Ring gezeigt. Obwohl du Lou­is nicht siehst, weißt du sofort, dass nur er es sein kann, denn du nimmst die Schmuck­stü­cke als einen Teil sei­ner selbst wahr. Die­se Sze­ne ist ein fil­mi­scher Höhe­punkt und offen­bart die Essenz der Hand­lung.  Lou­is Beson­der­heit, ein Unto­ter mit der Fähig­keit ewig zu trau­ern, zu sein. Mehr Gefühl geht fast nicht mehr.

Es ist nicht nur die Schlicht­heit und der gol­de­ne Glanz des Rin­ges, der dir auf­fällt. Die Beson­der­heit liegt an der Ring­po­si­ti­on. Ein Mann, der einen schlich­ten gol­de­nen Ring am klei­nen Fin­ger trägt, ist unge­wöhn­lich, und prägt sich in dein Gedächt­nis ein. Der Ring wird weib­lich wahr­ge­nom­men, und betont sei­ne Sen­si­bi­li­tät. Auch hier sieht man wie­der, wie sehr die Zuschrei­bung des Geschlechts und Schmuck in Ver­bin­dung ste­hen, und sich  gegen­sei­tig ver­stär­ken.

  • Lou­is ist bei Armand und hadert, ob er sich ihm anschlie­ßen soll, oder nicht. In der Gegen­wart erzählt er dem Repor­ter von Clau­di­as Ermor­dung, und sei­ne Trau­er über ihren Ver­lust kommt wie­der hoch. Er weint.

Lou­is trägt die Rin­ge als Andenken an sei­ne ver­stor­be­ne Fami­lie. Wie du unten in der Abbil­dung siehst, wird der Ring nach der Begeg­nung mit Armand wie­der gezeigt. Der Ring ver­knüpft die gegen­wär­ti­gen und ver­gan­ge­nen Tra­gö­di­en von Lou­is. Er durch­lebt sie, als ob sie erst ges­tern pas­siert wären.

Der 3. Teil wird sich mit dem Medail­lon von Made­lei­ne beschäf­ti­gen. Du kannst dich sicher an das Schmuck­stück erin­nern, wenn du es siehst. Denn, nicht nur Lou­is hat Tote zu bekla­gen, auch die Leben­den trau­ern um ihre Toten.

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Film: Inter­view mit einem Vam­pir. Neil Jor­dan. USA 1994

TC: 0:21:51; TC:1:25:41; TC:1:36:09; TC:1:36:12

5 Gedanken zu „Teil II: Interview mit einem Vampir- Goldringe für die Ewigkeit

  1. Ich fin­de die­se Rei­he zu Schmuck im Film total inter­es­sant und auf­schluss­reich und lese sie immer super ger­ne. 🙂 Ich freue mich drauf, was noch alles kommt.
    Wirst du irgend­wann viel­leicht auch den Schmuck von dem Elben­kö­nig Thran­duil in “der Hob­bit” analysieren? 

    LG
    Sólveig 🙂

    1. dan­ke für das tol­le Kom­pli­ment! Ohh, es wird noch viel kom­men, und auch der Hob­bit und Herr der Rin­ge wird ana­ly­siert. Ob ich den Elben­kö­nig Thran­duil genau­er durch­be­spre­che, kann ich aber noch nicht sagen, ist aber eine gute Idee. Ich schaue ob ich den Hob­bit mal vor­ver­le­ge. Nach Inter­view mit einem Vam­pir, wäre bereits Schwei­gen der Läm­mer oder The last witch hun­ter dran;) mal sehen was kommt. Lie­be Grüße!

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