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Schlagwort: Menschenasche

Diamonds are forever? Nicht so ganz

Wusstest du, dass Diamanten in Wahrheit, nicht sehr weit davon entfernt sind, ein Stück Kohle zu sein, und dass es Jahrhunderte brauchte, um herauszufinden, woraus Diamanten bestehen?

Zuerst aber zur unbreakable brennenden Frage:

Kann ein Diamant beschädigt werden?

Ja, kann er.  Zwar bedeutet der Name (griech.) adamas unbezwingbar, aber so ganz stimmt das nicht. Diamanten können beschädigt werden,  denn sie sind hart, aber nicht sehr widerstandsfähig. Zum Beispiel Nephrit Jade ist viel zäher als ein Diamant, jedoch niemals so hart. Nephrit ist faserig, in Schichten aufgebaut, und gleicht einem Boden, der mit Wurzeln durchzogen ist. Dadurch kann man ihn mit einem Hammer bearbeiten und es wird nichts passieren, obwohl er auf der Mohs Härteskala (die Härte der Steine wird mithilfe der Mohs Skala eingeteilt) gerade mal 6,5 hat. Diamant bildet das Ende der Härteskala 10. Wenn du auf einen Diamanten so einschlägst, wird er zersplittern. Das liegt daran, dass der Diamant Spaltebenen hat.  Er ist oktaedrisch aufgebaut (2 Pyramiden zusammengesetzt, eine oben eine unten).

Die Spaltebenen ermöglichen die Bearbeitung der Diamanten, früher teilte man sie mit einem Messer. Dabei kam es leider auch immer wieder zur Zerstörung, da innere Spannungen und verdeckte Risse im Stein übersehen wurden. Heute werden Diamanten mittels einer diamantbeschichteten papierdünnen Kupferscheibe gesägt. Das dauert seine Zeit, für einen Diamanten der Größe 6-7mm etwa 5-8 Stunden. Um eine Rohschliffform zu erhalten, rieb man Diamant auf Diamant, das ging, weil Diamant in unterschiedliche Richtungen verschiedene Härten aufweist (gleich harte Materialien schleifen einander nicht). Mittlerweile erledigen vor allem Laser diese Arbeit, dadurch konnten auch die Schleifverluste, die 50-60 % betrugen, stark reduziert werden. Das dabei entstehende Diamantpulver wird aufgefangen und wiederverwertet. Für die industrielle Produktion erledigen inzwischen Vollautomaten die Schleifarbeit.

Der Mythos, dass Diamanten unzerstörbar sind,  geht übrigens Jahrhunderte zurück, und brachte viel Zerstörung mit sich. Ein Bericht aus dem 18. Jahrhundert, von dem Abenteurer John Mawe, erzählt, dass er in Brasilien beobachtete, wie Minenarbeiter mit großen Diamanten zurückkamen, und die Käufer die Steine mit einem Hammer „testeten“. Wenn die Steine zersplitterten, wurden sie als unecht befunden. Die Vorstellung der Unzerstörbarkeit wirkte sich auch auf Smaragde verheerend aus. Der Konquistador Francisco Pizarro zerstörte zusammen mit seinen Begleitern erlesene Smaragde der Inkas, da sie dachten, sie müssten die Härte von Diamanten aufweisen.

Diamant = Kohle?

Erst einige Experimente in der Geschichte deckten das Rätsel auf. Großherzog Cosimo III de’Medici, der ein Gönner der wissenschaftlichen Gesellschaft Accademia del Cimento war, beauftragte die Mitglieder, Ende des 17. Jahrhunderts, einen Diamanten, in einem Brennglas (ein Lupenglas), zu fixieren. Die große Hitzeeinwirkung zerbrach den Diamanten, und er war plötzlich verschwunden, ohne ersichtliche Asche zu hinterlassen. Man redete zwar Jahrzehnte lang über diesen Vorfall, aber das Rätsel blieb ungeklärt.

Über 80 Jahre später behauptete ein Pariser Schmuckmacher, dass große Hitze den Diamanten nichts anhaben kann. Er war es gewohnt Diamanten, als auch Rubine und Saphire, in den Brennofen zu geben, um Flecken auf der Oberfläche der Steine zu beseitigen. Hitzebehandlung wird auch heute noch verwendet zur Farbänderung oder Schönung von Edel- und Schmucksteinen. Er gab seine Diamanten für 3 Stunden in den Ofen, aber wie damals in Florenz, waren sie einfach verschwunden.

Erst der Wissenschaftler Antoine Laurant de Lavoisier und ein weiterer französischer Schmuckmacher brachten neue Ergebnisse. Der Juwelier packte die Diamanten fest in Kohlepulver ein und erlaubte Lavoisier jede Temperatur, die er wollte. Nach drei Stunden waren die Diamanten weiterhin unbeschadet. Lavoisier konnte aber noch keine Schlüsse daraus ziehen.

Der britische Wissenschaftler Smithson Tennant 1796 verstand, was sich da ereignet hatte. Wenn ein Diamant hohen Temperaturen und zugleich Sauerstoff frei ausgesetzt ist, verwandelt sich der Diamant in Kohlendioxiddenn Diamanten sind aus dem gleichen Element wie Kohle. Nur durch starken Druck, Hitze und Zeit, werden Diamanten anstatt zu Kohle und Grafit, zu dem was sie sind, eine der härtesten natürlichen Substanzen auf unserem Planeten.

Ein Mensch =  Diamant

Das erklärt, wie es möglich ist, aus Menschen einen, oder mehrere Diamanten zu zaubern. In Bestattungsunternehmen ist die Dienstleitung keine Seltenheit mehr. Ein Diamant aus der Asche des Verstorbenen. Bei der Kremation entstehen zwei bis drei Kilogramm Asche, mindestens 500 Gramm werden für eine Anfertigung eines Diamanten benötigt. Um reines Grafit zu erhalten muss die Asche zuerst filtriert, und in einem Vakuum erhitzt werden. Das 99 % Grafit wird in eine Wachstumszelle gesetzt und kommt in eine HPHT-Presse (High Pressure- High Temperature). Je größer der Diamant werden soll, desto länger dauert der Wachstumsprozess.  Am Ende wird der Diamant mit einer Lasergravur gekennzeichnet. Rein nach physikalischen und chemischen Eigenschaften, ist er, von anderen in der Natur gewachsenen Diamanten, nicht zu unterscheiden.

Sind Diamanten  wirklich die härteste Substanz, die es gibt?

Auf der Mohs-Härteskala bildet Diamant das Ende 10. Inzwischen haben Wissenschaftler neue Materialien entwickelt, die noch härter als Diamant sind.  Der Grundbaustein bildet aber immer Kohlenstoff, also das Element aus dem auch Diamanten und Grafit besteht. Durch die Veränderung der Kristallgitter können noch härtere Stoffe hergestellt werden z.B. Q-Carbon, Carbin und Graphen, die über zusätzliche Eigenschaften verfügen (besonders leitfähig, magnetisch usw …)

Und die Lehre aus der Geschichte behandle deinen Diamanten mit Sorgfalt und schlage ihn nicht an Ecken und Kanten an, sonst war es das vielleicht mit ihm;)

Quellen:

Embryonenschmuck- das gibts?

Vor wenigen Tagen sah ich in der U-Bahn eine Werbung „Wir helfen Ihnen bei Ihrem Kinderwusch“. Wörter wie künstliche Befruchtung (IVF=In-Vitro-Fertilisation) werden da natürlich nicht hingeschrieben. Da fiel mir wieder ein, dass ich vor Kurzem über Embryonenschmuck gelesen habe. Du wirst dich sicher fragen, was echt jetzt?

Aber ja, das gibt es!

Meine erste Reaktion war, vermutlich wie bei dir auch,  wer macht denn so was, und irgendwie fand ich es grausig. Das liegt wohl an meiner Vorstellungskraft.  Anstatt eines Embryos sehe ich einen Fötus, mit Armen, Beinen, und Gesicht, vor meinen Augen, und da wirkt das Ganze viel heftiger und weckt in mir Unbehagen. Dabei stellt mir aber meine Fantasie Streiche, denn in Wahrheit ist, dass alles viel weniger drastisch als man es sich vorstellt. Ich habe mich mit dem Thema genauer auseinandergesetzt und vielleicht bringt es dir auch neue Einblicke.

Ein australisches Ehepaar kam auf die Idee aus Körpersubstanzen wie Haare, Muttermilch, Nabelschnur, Plazenta, Tierasche und eben auch embryonale Asche mit Kunstharz zu versetzen und daraus Schmuck zu fertigen. Nun stellt sich natürlich die Frage wie sie darauf kamen, und warum Menschen überhaupt Schmuck aus Embryonen haben möchten.

Das Paar hatte seine Familienplanung mittels künstlicher Befruchtung (IVF- In Vitro Fertilisation) erfolgreich abgeschlossen. Jetzt standen sie vor dem Dilemma,  was sie mit den restlichen Embryonen anfangen sollten?

Was passiert eigentlich mit den übrigen Eizellen bzw. Embryonen die nicht mehr benötigt werden?

Normalerweise werden sie entsorgt oder eingefroren (Kryokonservierung, bei -196° Celsius). Die Eizellen bzw. auch Embryonen können zu einem späteren Zeitpunkt aufgetaut und eingesetzt werden. Die Kosten für die Einfrierung und Lagerung tragen die Paare normalerweise selbst. Bereits die künstliche Befruchtung hat mehrere 1000€ gekostet (50% werden anfangs von der Kasse getragen) für die Konservierung fallen erneut Einfrierungs- und Lagerkosten an. Die Lagerkosten summieren sich im Laufe der Zeit und stellen für die Paare eine finanzielle Belastung dar (pro Jahr um die 250-350€, die Zellen können Jahrzehnte überdauern).

Um die Befruchtungsrate zu steigern, werden mehrere Eizellen im Vorfeld befruchtet (15-40 Stück) und in die Gebärmutter eingesetzt. Wenn sich mehrere Eizellen zu Embryonen entwickeln, also die befruchteten Eizellen mit der Zellteilung beginnt, werden diejenigen, die zu viel sind, wieder entnommen, und können falls eingefroren, für eine spätere Schwangerschaft verwendet werden. Die befruchteten Eizellen bergen theoretisch das Potenzial zu einem Fötus heranzuwachsen, sind aber außerhalb der Gebärmutter nicht überlebensfähig.

Sobald die Embryonen aufgetaut werden, zerfallen sie. Mithilfe einer speziellen Nährlösung schaffen es Wissenschaftler inzwischen auch außerhalb der Gebärmutter den Embryo zum Wachsen zu bringen, aus ethischen Gründen muss nach zwei Wochen abgebrochen werden.

Das Einfrieren findet generell am 2.-3., spätestens am 6. Tag statt. Die Eizelle ist gerade so mit dem menschlichen Auge sichtbar und misst 0,1 mm. Falls sie zu einem Embryo wird, ist sie in 4 Wochen 1,0 mm, also so groß wie ein Mohnsamen.

Neben der Kryokonservierung gibt es in einigen Ländern die Möglichkeit, Österreich und Deutschland ausgenommen, die überzähligen Embryonen an andere kinderlose Paare zu spenden. Auch ist es möglich der Forschung die Eizellen bzw. Embryonen zu überlassen.

DNA Asche – wie viel ist nötig?

Auf der Homepage des Ehepaares, BabyBee Hummingburd (Babybiene Kolibri) wird ein Teelöffel Asche mit menschlicher DNA benötigt, um ein Schmuckstück zu fertigen.  Ich frage mich, seitdem ich davon weiß, wie sie überhaupt so viel Asche zusammenbekommen. Zum Beispiel müssten 20 Embryonen auf max 2-3 mm Größe insgesamt kommen, das ergibt niemals die benötigte Menge. Vermutlich besteht der Rest der Asche aus Konservierungsflüssigkeit. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, Diamanten aus der Embryonenasche zu fertigen, dafür reicht es vom Volumen her nicht. Für die Herstellung eines Diamanten aus menschlicher Asche, benötigt man mindestens 500g um genügend Grafit zu extrahieren. Die Menge der Embryonenasche kommt nicht mal an eine Prise Salz heran, und trotzdem entbrennt zur Zeit eine ethische Diskussion über die Herstellung von Embryonenschmuck.

Eine österreichische Bioethikerin Susanne Kummer sieht die Verarbeitung embryonaler DNA in Schmuckstücke äußerst kritisch. Für sie bedeutet es eine ‚Verdinglichung‘ und Kommerzialisierung,  in ihren Worten, eine ‚ästhetisch-konsumistische‘ Erhöhung des Menschen.  Die Schmuckherstellung stellt für sie eine emotionale Beschönigung dar, aber keine echte Trauerarbeit.

Hinter dieser Debatte, versteckt sich in Wahrheit ein ethischer Konflikt, der seit Jahrzehnten anhält. Ab wann ist menschliches Leben, als solches zu bezeichnen, und ab wann ist es schützenswert?

Kein Wunder also, dass vor allem die katholische Presse (online) über Embryonenschmuck berichtet, und die Stellungnahme von Susanne Kummer für sich vereinnahmt. Die Kritik an diesem Schmuck dient lediglich als Aufhänger um die  Debatte erneut zu befeuern.  

Währen Aufhebens um Embryonen im 0,1 mm Bereich gemacht wird, wird der eigentliche Skandal übergangen. Die Eizelle ist zu einer florierenden Handelsware geworden, und zwar auf Kosten der Gesundheit der Frauen (z.B. Überstimmulierungssyndrom durch die Hormontherapie, spätere Eierstocktumore, usw …). Für die Reproduktionsmedizin, und die embryonale Stammzellenforschung, werden große Mengen benötigt. Frauen, die in einer Notlage sind, werden ausgebeutet, und dienen als Rohstofflieferanten. Dabei wäre das gar nicht nötig, da Stammzellen aus Nabelschnurblut und Stammzellen von Erwachsenen zur Verfügung stehen.

Ich komme zurück zum Anfang. Finde ich es noch immer unheimlich und grausig? Naja, ich bin nicht unbedingt ein Fan von der Verwendung von menschlichen Körperflüssigkeiten und Substanzen im Schmuck, aber meine Abneigung hat sich ziemlich abgeflaut, wie sieht es bei dir aus?

Embryonenschmuck, ja oder nein?

Egal ob es mir persönlich gefällt oder nicht, es ist die Entscheidung der Paare was mit ihren Embryonen passiert, und was sie damit tun möchten. Für das australische Ehepaar ist der Embryonenschmuck ein Erinnerungsstück, an die vielen Jahre, die sehr hart und schwierig waren (Hormontherapien, selten funktioniert es beim ersten Zyklus, Hoffnungen und Ängste). Zusätzlich ist es wohl auch ein echt physisch-symbolisches Zeichen ihrer Liebe. Hey, schließlich handelt es sich um das Verschmelzen zweier Zellen. Und schlussendlich wurden sie mit wunderbaren Kindern belohnt, und kommen möglicherweise leichter damit klar, wenn ihre “Kinder der Möglichkeit”, bei ihrer Familie, in Form eines Schmuckstückes sind, und nicht bei einem anderen Paar, oder der Wissenschaft zur Verfügung stehen.

Ihre DNA – ihr Wille:)