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Schlagwort: Filmanalyse

MA. Sie sieht alles. Und sie will alles.

Gerade komme ich aus dem Popcorn knisternden Kinosaal und schon kribbelt es mich über den neuen Horrorstreifen Ma- Sie sieht alles, zu schreiben.  Schmuck im Film, wie kann es anders sein;)

Der Horrorstreifen ist frisch produziert und falls du ihn noch nicht gesehen hast und erst sehen wirst hier eine kurze Beschreibung.

Gut ist, wenn du dir zuerst den Artikel durchliest, dann den Film ansiehst und schließlich, nochmal durchliest. Dann ergibt das,  was ich zu erzählen habe, gleich noch mehr Sinn für dich.

 

Kommen wir zum Schmuck, denn auch in Ma gibt es einiges zu entdecken.

  1. Die Ohrringe von Maggie (Protagonistin, junges Mädchen in der Clique)
  2. Das Armband einer Mitschülerin von Maggie
  3. Die “Hals-Ketten”, die sie den Teenies am Ende wie Hunde anlegt.
  4. Die “weiße Farbe”, die sie dem einzigen dunkelhäutigen Teenie in der Clique ins Gesicht streicht.  Ja auch das ist eine Form von Schmuck (Körper- Gesichtsbemalung)

1. Maggies Ohrringe

Sue, die von allen nur mehr Ma  genannt wird, fragt Maggie (Diana Silvers) auf der Party nach ihren Ohrringen, die sie trägt. Ma findet sie sehr hübsch. Maggie erzählt ihr, dass sie die Ohrringe von ihrer Mutter(Juliette Lewis)  geschenkt bekommen hat. Die Mutter hatte sie von ihrem Ex-Mann, also Maggies Vater, und schließlich an Maggie weiter gegeben.

Ma reicht ihr daraufhin einen “Extrashot” und Maggie verliert kurz darauf das Bewusstsein.  Als sie wieder aufwacht, kann sie sich an nichts erinnern, tastet aber sofort nach ihren Ohrläppchen. Und natürlich, die Ohrringe fehlen.

2. Das Armband einer Mitschülerin

Als die Teenies  bei ihr nicht mehr ständig abhängen wollen, wird Ma immer aufdringlicher und fordernder ihnen gegenüber. Als letzten Ausweg ruft sie die Stammclique zusammen und sagt, es wäre ein Notfall. Sie folgen dem Aufruf und treffen sich mit ihr etwas außerhalb der Gemeinde. Dort erzählt Ma ihnen, sie hätte Krebs und würde sich deswegen ein wenig merkwürdig verhalten. Maggie sieht währenddessen  ein Armband an ihrem Handgelenk baumeln,  das eigentlich einer Mitschülerin von ihr gehört. Auch du hast das Armband bereits im Film gesehen, denn Maggie hatte die Mitschülerin darauf angesprochen. Es jetzt an Ma zusehen, erweckt in ihr starkes Misstrauen.

Maggie und das andere Mädchen aus ihrer Clique sitzen kurz darauf im Auto und sprechen über die seltsamen Vorkommnisse. Auch das andere Mädchen vermisste einen Ring, den sie von ihrer Großmutter geschenkt bekommen hatte. Sie sind sich sicher, dass sie die Schmuckstücke bei Ma zuhause finden und entschließen in ihr Haus einzubrechen. Im Haus stoßen sie auf mehr Geheimnisse, als sie damit gerechnet hätten, die Schmuckstücke finden sie aber nicht.

Weshalb sind die Schmuckstücke für den Film wichtig?

Für die Handlung sind die Schmuckstücke von großer Bedeutung, denn sonst ergibt es keinen Sinn, dass die Mädchen in Ma’s Haus einbrechen.  Die vorherigen Szenen, der Verlust der Ohrringe, als auch das Armband an Mas Handgelenk, sind für die filmische Handlung notwendig. Die Schmuckszenen ermöglichen einen logischen Handlungsverlauf.

Weshalb sind die Schmuckstücke für Ma so wichtig?

Ma nimmt sich als Erwachsene das, was sie will, ohne Rücksicht auf Verluste. Gesellschaftliche Regeln sind ihr völlig egal. Sie kennt keine Skrupel. Die Jugendlichen werden mit massenhaft Alkohol versorgt und sie motiviert sie regelrecht dazu sich besinnungslos zu betrinken. Sie stiehlt den Schmuck der Mädchen, indem sie, sie betäubt.

Ma’s Grenze zwischen moralisch verwerflich und absolut kriminell verschiebt sich immer weiter.

Schmuck ist für Ma eine Trophäe, ein Zeichen “sich nehmen zu können, was sie möchte”.

Im Film stellen die Schmuckszenen aber auch den ethischen Barometer von Ma dar, denn die Grenze zwischen moralisch verwerflich und absolut kriminell verschiebt sich immer weiter bei ihr,  bis sie die Linie endgültig überschreitet.  Die Betäubung der Mädchen mit K.O. Tropfen, erinnert stark an das Vorgehen eines Vergewaltigers, der sein Opfer auf einer Party aussucht.

Schmuck am Körper ist immer etwas sehr Persönliches und indem Ma den Mädchen diese Schmuckstücke, während ihrer Bewusstlosigkeit nimmt,  wird ihnen von ihr Gewalt angetan.

Letzter Auftritt Ohrringe

Im letzten Drittel des Films werden die Ohrringe noch einmal kurz gezeigt. Ma schickt Maggie eine Videobotschaft, auf der sie ihre gestohlenen Ohrringe trägt und darauf zeigt. Neben sich der Freund von Maggie der halb betäubt neben ihr torkelt. Auch er ist ihre Trophäe und Ma lockt Maggie zum Finale zu sich ins Haus.

3. Die “Hals-Ketten”

Ma arbeitet bei einer Tierärztin und als ihre Wut endgültig entfesselt ist, sieht sie alle Menschen als Tiere mit denen sie tun und lassen kann, was sie will. Als Ma die ganze Clique zum letzten Mal zu sich gelockt und betäubt hat, tobt sie sich sadistisch an ihnen aus. Sie legt ihnen Ketten um den Hals, bindet sie fest und verstümmelt sie. Indem sie den Menschen den Status eines Tieres zukommen lässt, schreckt sie vor nichts mehr zurück. Das Ganze erinnert ein wenig an eine SM-Szene mit Hang zur Puppenstube. Die Teenies werden zu ihrem persönlichen Spielzeug. Sie sind ihre Puppen, in deren Kreis sie sich von Maggie fotografieren lässt.

4. Die “weiße” Farbe

Kurz wird im Film darauf angespielt, dass ihre Hautfarbe etwas mit dem Außenseiter Dasein zu tun haben könnte. Zumindest Ma glaubt, dass ihre Hautfarbe eine Rolle spielt.

Als Ma ihre bewusstlosen Teeniefreunde, auf der Couch, um sich versammelt, pinselt sie, dem  “dunkelhäutigen” Jungen das Gesicht dick mit weißer Farbe an und sagt, erst jetzt würde er dazu gehören. Ma ist auf der Suche nach ihren Wurzeln, etwas, oder jemand, wo sie dazu gehört. Die afrikanischen Masken an der Wand unterstreichen ihre Suche nach einem inneren Zuhause.

 

 

 

 

 

Film: Ma. Sie sieht alles. Tate Taylor (2019)

 

Hellboy Der Rosenkranz

Hellboy hat erneut die filmische Höllenpforte geöffnet. Im April erschien der neueste Teil der Comic Verfilmung. Anlass genug, um die erste Hellboy Verfilmung genauer unter die Schmucklupe zu nehmen.

Falls du die Comicverfilmung noch nicht kennst, auf dem Blog 100 yearsofterror findest du eine spannende Review über den neuesten Streifen.

Die Filmhandlung findest du, wie kann es anders sein, auf wiki.

Der Rosenkranz ist das Schmuckstück, welches sich von Anfang bis zum Ende der Handlung wiederfindet.

Kannst du dich daran erinnern?

Er ist sozusagen der rote Faden, der sich von einem Ereignis zum nächsten erzählerisch weiterspinnt.

 

1.Der Rosenkranz als Zeichen der Identifikation

Der Rosenkranz begleitet dich durch den ganzen Film. Man könnte sagen, es ist das wandlungsfähigste Schmuckstück. Der Wissenschaftler und sein Team sind nicht nur mit Gewehren bewaffnet. Als sie Hellboy entdecken, ist die ganze Armee mit Rosenkränzen ausgestattet. Wenn man versucht, das Öffnen der Höllenpforten zu verhindern, sollte man schließlich dementsprechend ausgerüstet sein. Hellboy, dem kleinen Dämon, macht das katholische Schmuckstück nichts aus. Das sagt uns, dass er nicht von Natur aus böse ist und für seine Abstammung keine Schuld trägt.

  • Soldat mit Rosenkranz

Das Unheil, die Hölle zu öffnen, konnte im Jahr 1944, in dem die Geschichte beginnt,  verhindert werden. Schlagartig machen wir eine Zeitreise in die Zukunft und sind in der filmisch erzählenden Gegenwart. Der junge Wissenschaftler von damals ist nun ein alter Mann geworden. Er wurde der menschliche Vater und Mentor von Hellboys, auch Red genannt. Gerade erfährt er, dass er unheilbar an Krebs erkrankt und seine Lebenszeit bald abgelaufen, ist.

Neben der Brille, die er trägt, wird auch der Rosenkranz, der sich um sein Handgelenk befindet, zu einem Identifikationszeichen. Der Rosenkranz verbindet die Geschichte von damals mit dem Heute und wird zu einem Erkennungszeichen des Wissenschaftlers. Der junge Mann von damals als gealterter Mann, dessen Lebenszeit abgelaufen ist.

2. Der Rosenkranz als Hinweis und Beweisstück

Nicht der Krebs wird ihm das Leben kosten. Es ist Rasputin und einer seiner Helfer. Rasputin ist von den Toten zurückgekehrt und versucht erneut das Tor der Hölle zu öffnen. Dafür benötigt er Hellboy, denn nur er alleine ist dazu im Stande. Sein Steinarm ist nicht nur Waffe, sondern zugleich Schlüssel.

Cut. Hellboys Ziehvater kurz vor der Ermordung:

Bevor er exekutiert wird, legt er den Rosenkranz, den er immer um sein Handgelenk trägt auf ein geöffnetes Buch vor sich. Auf der Buchseite ist Rasputin abgebildet.

Der Rosenkranz wird zu einem Hinweis, und zeigt wie ein Finger auf den Täter.  Zugleich wird das Schmuckstück zu einem Beweisstück und wird von der Spurensicherung eingetütet. Mit dieser Handlung wird verdeutlicht, wie wichtig das Schmuckstück für die filmische Inszenierung ist. Der Rosenkranz ist wandlungsfähig und nimmt nicht zahlreiche Bedeutungsebenen im Film an.

3. Der Rosenkranz als Andenken an seinen Adoptivvater

Als die Beerdigung seines menschlichen Vaters stattfindet, steht Hellboy einsam und verlassen auf einem Gebäude und sieht der Trauergesellschaft zu. Die düstere Stimmung wird mit trüben Wetter unterstützt. Es regnet in Strömen und düstere Farbtöne bestimmen das Bild. In seiner Faust hält er den Rosenkranz, den er ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ablegen wird.

Der Rosenkranz wird zur Erinnerung an seinen Mentor und menschlichen Vater. Er steht für das  Vermächtnis, welches er ihm mitgegeben hat. Das Schmuckstück symbolisiert die Seite des Guten und das sich Hellboy den bösen Kräften widersetzen kann. In diesem Moment wird der Rosenkranz auch zu einem Zeichen seiner Rache.  Er schwört den Mörder seines Vaters zur Strecke zu bringen.

  • Rosenkranz als Identifiktation der Wissenschafter 60 Jahre später

 

Red, Hellboy, trägt ab jetzt nicht nur den eigenen Rosenkranz am Gürtel, auch den seines Adoptivvaters hat er um sein Handgelenk gebunden.

Hellboy steht vor Liz, beide Arme auf seine Hüfte gestützt. Am Handgelenk baumelt der Rosenkranz seines Vaters.

Hellboy trägt ab jetzt zwei Rosenkränze. Den seines irdischen Vaters hat er um das Handgelenk gebunden.

 

  • Der Rosenkranz als Vermächtnis seines Vaters

Hellboy nimmt mit seinen Leuten die Spur auf und landet im Mausoleum von Rasputin in Russland. Nach einigen Gefechten wird Hellboy schließlich von Rasputin gefangen genommen und er will ihn dazu zwingen, das Tor zur Hölle zu öffnen.  Hellboys Widerstand schwindet, denn Rasputin droht, Liz, seine große Liebe umzubringen. Hellboy kann sich aus dem angelegten Pranger, der mit Zaubersprüchen versehen ist, nicht befreien. Sein Kopf und beide Arme wurden damit gefesselt.

Um seinen geistigen Widerstand endgültig zu brechen, reißt ihm Rasputin den Rosenkranz seines Ziehvaters vom Handgelenk. Sogleich brechen die dämonischen Kräfte in Hellboys aus und es scheint, als ob er den Kampf gegen das Böse verlieren würde.  Seine abgefeilten Hörner wachsen in sekundenschnelle und das Höllenfeuer lodert in ihm und über ihm auf.

Als er gerade dabei ist das Höllentor mit seinem Steinarm zu öffnen, kommt ihm Mayers, ein Agent und Freund zur Hilfe. Auch er wurde gefesselt, konnte sich aber befreien. Er wirft Hellboy den Rosenkranz, der auf dem Boden liegt, zu.  Das Kreuz brennt sich in Hellboys Handfläche ein und hinterlässt eine Brandspur. Durch diesen Schmerz erwacht er aus der dämonischen Trance und seine Erinnerung an ein fast menschliches Leben kehrt zurück. An dieses Leben ist auch das Vermächtnis seines Ziehvaters geknüpft.  Er selbst kann entscheiden, wer und was er ist. Nicht seine Herkunft oder die Vorherbestimmung bestimmten seinen Weg. Er selbst ist es, der sein Schicksal formen kann. Hellboy bricht die  Hörner vom Kopf ab und ersticht zugleich damit Rasputin. Die Verbindung zur Hölle ist schlagartig gekappt und das Tor in eine andere, höllische Dimension, schließt sich wieder.

Du siehst die rote Hand von Hellboy. In seiner Innenfläche hat sich das Kreuz des Rosenkranzes glühend eingebrannt.

Der Rosenkranz brennt sich in die Hellboys Handinnenfläche ein. Das Vermächtnis seines Vaters

Wie du siehst, hat der Rosenkranz viele und sehr wichtige Funktionen für die Film

Kurz zusammengefasst, diente er als:

  • Mittel zur Identifikation
  • als Beweisstück
  • als Hinweis
  • Memento Mori an den Ziehvater
  • als Zeichen der Rache
  • und Vermächtnis: Erkenne dich selbst

Der Rosenkranz wird zu einem sehr wichtigen Element für den Film und macht dir viele Dinge begreiflich, die mit Worten nicht so leicht ausgedrückt werden können. Schmuck kann nicht nur im realen Leben viele Emotionen in sich bergen. Er entfaltet auch in Filmen eine geballte Ladung an Gefühl.

Wenn dich weitere spannende Schmuckanalysen im Film interessieren, findest du hier eine Liste der bereits besprochenen Meisterwerke.

 

 

Film: Hellboy. Guillermo del Toro (2004 USA)

TC:1:45:48; TC:0:13:12; TC:0:13:25; TC:0:17:05;

TC:0:18:26; TC:0:19:29; TC:0:21:11; TC:0:23:05

 

Hereditary – Paimons Symbol

Film gesehen? Ist dir dabei die Kette ins Auge gesprungen? Wenn nicht, dann hast du jetzt das A-HAA Erlebnis;)

Yes!  Spoileralarm!!!!

Ich analysiere gerne Schmuckstücke in Filmen. Dabei geht es mir um mehr als eine Kette oder einen Ring. Mich interessiert was steckt dahinter, wie wird Schmuck in Filmen eingesetzt, und welche neuen Infos kommen dabei an die Oberfläche. Ob Narben, Tätowierungen, bestimmte Symbole oder spezifische Schmuckstücke, oder Steinchen, alles wird von meinem Adlerauge unter die Lupe genommen.

Filmzusammenfassung schnell erklärt:

Hereditary (übersetzt: erblich) wurde von Ari Aster 2018 verfilmt, wie du siehst, blutfrisch aus dem Kino. Es geht um Annie, gespielt von Toni Colette und ihrer Familie. Der Plot beginnt mit der Beerdigung ihrer Mutter. Eine Mutter, die für sie emotional nie greifbar war und von der sie so gut, wie nichts weiß. Die Familienverhältnisse sind schwierig. Ihre 14-15 Jahre alte Tochter Charlie (Milly Shapiro) leidet an einen genetischen Defekt und wurde, mehr oder weniger, von Annies Mutter groß gezogen. Dementsprechend ist auch die Beziehung zwischen Annie und Charlie. Mit ihrem fast erwachsenen Sohn Peter (Alex Wolff), konnte sie auch keine Nähe aufbauen. Und ihr Ehemann (Gabriel Byrne) ist die gute Seele des Hauses, der die meiste Zeit sein Leid still in sich hinein frisst.

Als Charly, ihre Tochter, zu Tode kommt, entzweit sich die Familie gänzlich. Auf dem Weg zu ihrer Selbsthilfegruppe lernt sie eine Frau kennen, mit der sie sich im Leid verbunden fühlt. Sie freundet sich mit ihr an und fasst vertrauen. Als Annie sie, einige Zeit später wieder trifft, erzählt die Frau ihr, vor Glück überströmend, dass sie eine Möglichkeit gefunden hat, mit ihrem verstorbenen Enkel in Kontakt zu treten. Annie ist skeptisch, es stellt sich heraus, dass übernatürlich Kräfte am Arbeiten sind. Die Frau gibt ihr eine Anleitung mit, um ihre Tochter Charlie aus dem Jenseits zu beschwören.

Annie und ihre Familie sind in einen magischen Zirkel verstrickt, ohne es zu wissen.  Der Hexenzirkel hat es sich zur Aufgabe gemacht, Paimon, den dämonischen Herrscher der Hölle, zu reinkarnieren. Annies Kinder sind die Gefäße, die dafür herhalten müssen, und ihre verstorbene Mutter, ist eine der Oberhexen. Indem Annie das Ritual vollzieht, tappt sie in die Falle. Sie beschwört Paimon, und besiegelt so das endgültige Schicksal ihrer Familie.

Die Halskette in Hereditary

  • Schon in den ersten 5 Minuten des Films wirst du das erste Mal ein Symbol wahrnehmen. Als Annie die merkwürdige Gedenkrede über ihre Mutter abhält, trägt sie eine Halskette, die auch ihre aufgebahrte tote Mutter um den Hals trägt. Die Kette wird noch mal im Detail gezeigt und verweist darauf, wie wichtig sie, das Symbol, für den weiteren Plot sein wird. Annie wird diese Kette nie wieder im Film tragen, und ihr ist auch nicht bewusst, was sie bedeutet.

Weshalb trägt Annie die Kette bei der Beerdigung?

Ich erkläre mir Annies Verhalten folgendermaßen. Sie hat das Schmuckstück unter den  Habseligkeiten ihrer Mutter entdeckt, und dachte es wäre ein Erbstück. Sie möchte eine Verbindung mit ihr schaffen, die sie im echten Leben niemals hatte. So kann sie ihrer Mutter, immerhin im Tod, ein Stückchen näher sein. Bis zur letzten Szene wird dich das Symbol ab jetzt begleiten.

Das Symbol, wer ist Paimon?

Das Zeichen, welches Annie und ihre Mutter um den Hals tragen, ist das Symbol von Paimon. Paimon ist ein dämonischer Engel und Mitherrscher der Hölle. Bereits in Texten aus dem 14. Jahrhundert wird er erwähnt. In den Zauberbüchern der Schwarzen Magie “die Goetia”, 17. Jahrhundert, sind Beschwörung und Beschreibung von 72 Geistern und Dämonen enthalten, darunter auch Paimon.

Wichtig ist, dass das Symbol ein Siegel ist, um den Dämon herauf zu beschwören. Es ist der Türöffner für Paimon, das ihm ermöglicht, in unserer Welt überzutreten.

Paimon erscheint in einer männlichen Gestalt, gekrönt und sitzend auf einem Dromedar. Vor ihm eine Truppe von Geistern und Menschen, die mit Zimbeln und Trompeten musizierend seinen Weg begleiten. Er ist in allen Wissenschaften und der Hexerei belesen, als auch Befehlsherr von 200 Geistern und Herrschern. Um auf die Erde zu kommen, benötigt er ein Opfer.

Paimons Opfergaben

Für den Film wurde das reale Zeichen von Paimon ein wenig adaptiert. Anstatt 4 symmetrischer Formen sind 3 abgebildet. Sie stehen für:

  1. die Mutter von Annie
  2. Annie selbst
  3. und ihre Tochter Charlie

Sie sind das Opfer, das erbracht werden muss, um das Tor zu öffnen und Paimon wieder auf die Erde zu bringen. Auf Wiki siehst du das reale Symbol, vergleich es mal mit der Halskette;)

Verständnisschlüssel Filmhandlung

Nahaufnahme Halskette

 

  • Eine überaus befremdliche Szene markiert den Beginn der Opferung. Als Charlie im Schulhof ist, schneidet sie einer toten Taube, mit einer Schere, den Kopf ab und steckt ihn in die Tasche. Als sie zuhause ist, fällt ein Lichtreflex in ihr Zimmer, sie folgt ihm nach draußen. In beiden Händen hält sie den Kopf der toten Taube, gleich einer Opfergabe. Dabei sind mir die Finger von Charlie aufgefallen, es sind kleine Plastikfäden oder Kabelbinder, die sie an den Fingern der rechten und linken Hand rundum gebunden hat. Mich erinnert das stark an eine Straßentaube, die irgendwelchen Müll um die Beine gewickelt hat. Möglicherweise spielte Ari Aster genau darauf an. Denn, Charlie ist die Taube, es ist ihr Kopf der rollen wird.
  • Annies Fingerschmuck aus Kabelbindern

 

Die Verschwörung, alles geplant

  • Alles ist vom Hexenzirkel bis ins kleinste Detail geplant worden, nur Annie und ihre Familie sind ahnungslos. Nicht nur der Tod von Charlie ist klar vorgegeben, sondern auch wo, und wie Charlie sterben wird. Als ihr Bruder sie gezwungenermaßen mit auf die Party nimmt, sieht man bei der Hinfahrt einen Mast an der Straßenseite, der das Zeichen von Paimon, eingeritzt hat. Genau dieser Mast, ist die Todesursache von Charlie.

Paimons Symbol am Mast eingeritzt.

 

Im Laufe der Handlung wird die Verschwörung immer offensichtlicher.

  • Als Annie nach Antworten in den Habseligkeiten ihrer Mutter sucht, fällt ihr ein Buch in die Hände, das Paimons Symbol auf dem Cover eingeprägt hat. Endlich sieht sie sich auch die Fotos an, auf denen ihre Mutter mit Mitgliedern des Hexenzirkels zusammen ist. Die “gute Freundin” von Annie entpuppt sich als die beste Freundin ihrer Mutter und weitere Oberhexe. Beide tragen auf einem Foto die gleichen Halsketten mit Paimons Zeichen. Ein weiteres Buch zeigt jetzt endlich Paimon, und offenbart die weiteren Pläne des Zirkels. Paimon sitzend auf seinem Dromedar hält, drei abgetrennte menschliche Köpfe an den Haaren fest.  Als sie den Text liest, wird Annie klar, dass ihr Sohn als nächster an der Reihe sein wird, denn er ist das zukünftige Gefäß für den Dämon.

Dieses Verschwörungsszenario erinnerte mich übrigens an Rosemarys Baby, und ich wette darauf, dass der Regisseur den Film von Roman Polanski intensiv studiert hat.

Bestimmte Ähnlichkeiten sind nicht zu übersehen:

  1. Schmuck ist zentral: er symbolisiert die Verschwörung die dahinter steckt
  2. Antichrist oder höllischer Dämon, der reinkarniert werden muss
  3. menschliches Gefäß wird benötigt
  4. Hexenzirkel, der alles geplant hat
  5. ein Familienmitglied steckt mit dem Zirkel unter einer Decke. Bei Rosemary ist es Guy, ihr Ehemann, hier die Mutter von Annie
  6. außenstehende Person gewinnt das Vertrauen, die in Wahrheit die Oberhexe ist: Rosemarys Baby, die Nachbarn Castevets, und in Hereditary die beste Freundin der Mutter
  7. Annie als auch Rosemary sind nicht eingeweiht, sondern lediglich Mittel zum Zweck
  8. das Schmuckstück deckt die Verschwörung auf. Der Anhänger in Rosemarys Baby (Tanniswurzel) und in Hereditary Paimons Siegel- Zuerst Schmuck, dann Zeichen
  9. übrigens auch die Markierung im Buch, die textuelle Untermauerung, findet sich in Rosemarys Baby als auch Hereditary wieder. Genaueres kannst du in meiner Filmanalyse über Rosemarys Baby Teil 1  nachlesen.

Für uns als Zuseher ist das Zeichen von Paimon auch Verständnisschlüssel für die Handlung. Es zementiert die Verschwörung, die dahinter steht und, dass ein ganzer Hexenzirkel alles geplant hat. Zusammen mit den Text- und Bildhinweisen aus den Büchern wird der Schlüssel für uns offengelegt, wie der Dämon gerufen werden kann. Das Zeichen steht für die 3 verwandten Frauen und ihre Köpfe, die am Ende rollen müssen. Das Zeichen wird geschickt mit einer Symbolik dahinter verknüpft, denn es ist auch der Schlüssel, um den Titel zu verstehen: Hereditary – erblich. 

  • Auch ihr Sohn muss sterben.  Es ist nicht sein Kopf, sondern seine Seele die Paimon möchte, deshalb sind auf den gezeichneten Bildern der “Geistercharlie”, ausgestrichene Augen auf den Zeichnungen abgebildet. Dass es sich um den Bruder von Charlie, Peter handelt zeigt das Muttermal, das sich auf der linken Seite, etwas über der Oberlippe befindet. Das Muttermal macht es möglich, Peter genau zu identifizieren. Denn es ist nicht der Vater der Familie den Paimon möchte, sondern das jüngere männliche Exponat Peter.

Wie du gesehen hast, sind die Schmuckstücke und Symbole, die eingesetzt werden von zentraler Bedeutung für die filmische Handlung. Nach meinem persönlichen Geschmack, kam das Zeichen des Dämons ein wenig zu viel zum Einsatz. Ich glaube, dass Ari Aster damit sichergehen wollte, dass er auch zu 100 Prozent verstanden wird, und sich das Zeichen in unseren Hirnwindungen einprägt. Das hat es, würde ich sagen, was meinst du?

Der Film macht übrigens besonders Vergnügen, wenn man sich mit den Hintergründen von Paimon ein wenig auseinandersetzt, dadurch erklärt sich der Einsatz der Musik an bestimmten Stellen und auch das Ende, das recht schräg anmutet;) Mir persönlich hat es ein Lächeln auf die Lippen gezeichnet, ich bin zufrieden aus dem Kino gegangen.

Quelle:

Film: Ari Aster. Hereditary. (2018 USA)

TC:0:05:15; TC:0:04:55; TC:0:05:10; TC:0:05:15; TC:0:25.14; TC:0:28:26; TC:1:33:31; TC:1:34:44; TC:1:33:52; TC:0:05:25; TC:1:29:10