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Schlagwort: Blei

Film: Das Mädchen mit dem Perlenohrring. Das Gold der Maler

Das letzte Mal stand der Schmuck von Vermeers Ehefrau im Vordergrund, diesmal widme ich mich den Lieblingen des Malers, den Farben. Bis heute wird ja ziemlich unbedarft mit Farbstoffen umgegangen, zur Zeit Vermeers war es nicht anders, obwohl die unsachgemäße Verwendung von Pigmenten zu schweren Krankheiten bis hin zum Tod führen konnte. Ich zeige dir heute, welche Pigmente Vermeer im Film, das Mädchen mit dem Perlenohrring verwendet. Pigmente waren das Gold der Maler, denn sie konnten nur mit sehr viel Mühe hergestellt werden.

Bis zur chemisch-synthetischen Farbherstellung, im 18. Jahrhundert, gab es für Maler ein geringes Farbspektrum zur Auswahl. Rembrandt verwendete lediglich 15 Pigmente in seinen Bildern. Die Farben, viele davon bestehen aus Mineralien, mussten von weit hergeholt werden, und in einem aufwendigen Verfahren zu Pulver zerstoßen, und extrahiert werden. Die Farbherstellung gehörte zur Malerausbildung, und es wurden gut gehütete Rezepte entwickelt, um die besten Effekte zu erzielen.

Im Film wird Griet in den Prozess der Farbgewinnung eingeweiht, sozusagen in die Alchemie der Malerei. Pigmente sind das Gold der Maler, denn die Farbzutaten waren unglaublich teuer. Kein größeres Vertrauen könnte Vermeer, Griet entgegenbringen, als ihr die Herstellung der Farben zu zeigen. Wie ästhetisch die Szenen im Film auch anmuten, wenn Griet mit Vermeer die Farben anmischt, es war eine wirklich giftige und teure Angelegenheit.

Welche Pigmente siehst du im Film, das Mädchen mit dem Perlenohrring?

  • Zinnober (zwischen Magenta und orangerot)
  • Malachit (als “kaltes grün” bekannt)
  • Bleiweiß (satte weiße Farbe, inzwischen verboten)
  • Indischgelb (Curryfarben)
  • Lapislazuli (Ultramarinblau, auch Fra Angelico Blau genannt)

 

  • Zinnober- Cinnabrium- Vermilion- kinnábari- Drachenblut

Du kennst die Farbe sicherlich von chinesischen Lackmalereien, meiner Meinung nach gibt es kein Schöneres und Intensiveres rot, das die Natur zu bieten hat.

In der Tierwelt gilt die Farbe rot als ein Abwehrzeichen, das trifft auch auf das Mineral Zinnober zu, es enthält Quecksilbersulfid. Immerhin, es ist um einiges weniger toxisch als andere Quecksilbersalze, da es sich nicht in Wasser auflöst, und beständig ist. Leider ist es nicht lichtbeständig, es dunkelt mit der Zeit nach, bis es über die Jahre schwarz wird. Natürliches Zinnober hat eine geringere Leuchtkraft, als künstlich hergestellt. Die Niederlande waren im 17. Jahrhundert berühmt für die Farbgewinnung verschiedener Pigmente, darunter auch Zinnober. Es wurde aus Quecksilber und Schwefel gewonnen. Was man damals noch nicht wusste, die Dämpfe sind extrem giftig. Das reine Quecksilber stammte aus spanischen Minen in Almadén. Den Abbau übernahmen Gefangene die sehr schnell an den Folgen der Vergiftung starben.

Übrigens, Zinnober in kristalliner Form ist weniger toxisch, da es das Quecksilber bindet, aber auch hier sollte man vorsichtig sein, sich die Hände waschen, nicht oral aufnehmen und auf gar keinen Fall erhitzen.

 

  • Malachit  auch “kaltes grün” genannt

Auch dieses Mineral ist in Pulverform giftig. Es sollte nicht in den menschlichen Organismus in großen Mengen gelangen. Falls du gerne Edelsteinwasser trinkst, solltest du auf Malachit verzichten, denn es könnte sich Kupfer lösen. In saurer Umgebung (Luft, Wasser, Schweiß) können sich Kupferionen lösen. Zwar benötigt der menschliche Körper auch Spuren von Kupfer, dabei sollte man Grenzwerte aber nicht überschreiten. Zwar verleiht das Kupfer dem Malachit seine wunderbare grüne Farbe, aber es ist auch ein Schwermetall.  Das Mineral besteht aus 57% Kupfer.

Wenn Vermeer und Griet Malachit in ein Pulver zerreibt, wäre eine der wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen gewesen, eine Staubmaske zu tragen. Heute wissen wir es besser:)

Griet füllt mit einem Spatel Bleiweiß nach.

  • Bleiweiß

Wie der Name schon sagt, enthält das Pigment Blei. Es ist ein weiteres Schwermetall, dessen Dämpfe und orale Aufnahme sehr gefährlich sind. Bleiweiß ist inzwischen verboten. Die einzige Ausnahme bildet die Restauration alter Werke. Viele Maler bedauerten den Verlust des Pigments, denn seine intensive satte Farbe verlieh ihren Bildern eine unglaubliche Lebendigkeit. Den Römern war schon lange bekannt, wie schädlich Blei sein kann, trotzdem wurde es reichhaltig verwendet, ob als Wasserrohr oder Pigment.

Die Herstellung wirkt ein wenig unappetitlich.

Eine einfache Methode das Weiß zu gewinnen bestand darin, Bleispäne in Essig zu legen. Mit der Zeit lagerte sich weißes Bleikarbonat ab. Die Holländer erfanden ein neues Verfahren. Arbeiter schütteten Berge von Rinder- und Pferdedung in einen Raum, dann übergossen sie das Ganze mit saurem Wein und Blei. Das Zimmer wurde drei Monate versiegelt und -voilá- blütenweißes Bleiweiß war entstanden.

Als heutiger Ersatz dient Titanoxid, das Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt wurde.

  • Indisch Gelb. Die Mango Kuh

Im Film wird eine fertige Auftragsarbeit von Vermeer enthüllt, “Junge Dame mit Perlenhalsband”. Als der Mäzen es zu Gesicht bekommt, fragt er fachmännisch, ob es sich bei der Lasur um Indisch Gelb handelt. Vermeer bejaht, daraufhin sein Gönner: “Ihr habt also meine Frau lasiert mit getrockneter Pisse.

Wie Indigo stammte auch Indisch Gelb aus Indien, nona;) Um die leuchtende Curryfarbe zu bekommen, benötigte man den Harn von Kühen und Büffeln, die ihr Leben lang mit Mangoblättern gefüttert wurden.  Den Tieren tat das alles andere als gut. Sie bekamen durch die einseitige Ernährung große Nierensteine. Der kostbare knallgelbe Urin, der aus ihnen herauskam, war jedes Mal mit fürchterlichen Schmerzen verbunden. Damit die Tiere den Eimer nicht umstießen, hängte man sie mit Lederriemen auf. Der heilige Status der Kuh, erlöste die Tiere endlich von der grausamen Praxis. Zwischen 1908-1910 durfte kein indisch gelb mehr produziert werden.

Jetzt kommen wir zu einer der teuersten Farben der Welt. Ich bezeichne es als Gold der Maler, da es so hochpreisig wie Gold gehandelt wird.

  • Ultramarinblau

In der Verfilmung siehst du, wie Griet von Vermeer den heimlichen Auftrag bekommt, Lapislazuli zu besorgen. Eine große Menge Ultramarin wird ihr in ein Glas gefüllt. Als Griet die Farben anmischt geht sie sehr verschwenderisch mit dem teuren Farbpigment um. Hier findet sich in der Inszenierung ein  gravierender Fehler, denn stell dir einfach vor, das was Griet verarbeitet wäre reines Gold. Kein Maler würde jemals so unbedarft mit dieser Kostbarkeit umgehen.

Das mädchen mit dem Perlenohrring, Farbe mischen Fra Angelico Blau

Griet rührt Ultramarin (reines Lapislazuli) an und geht damit nicht zimperlich um.

Hier siehst du die Flasche mit reinem Lapislazulipulver

 

Übersetzt bedeutet der Name “jenseits des Meeres” und weist auf seinen Ursprung in Afghanistan, dem “Tal des Steines” Sar-e-Sang, hin. Auch heute noch wird Lapislazuli aus dieser Region bezogen.  Da es so teuer war und immer noch ist, wurde vertraglich festgehalten, dass der Auftraggeber des Gemäldes die Kosten zu tragen hatte. Normalerweise arbeiteten die Maler mit einer preisgünstigeren Alternative, dem Edelstein Azurit. Nur die letzte Schicht bestand aus Lapislazuli. Das Gestein Lapislazuli kommt nicht in Reinform vor, andere Minerale sind darin enthalten, die erst entfernt werden müssen, um den kräftig strahlenden Blauton zu erreichen. Insbesondere Kirchen liebten Ultramarinblau. Die Farbe stand für Reinheit und Reichtum. Besonders gerne wurde die Kleidung der Jungfrau Maria damit abgebildet.

Herstellung Ultramarinblau aus Lapislazuli

Wenn du jetzt noch das Rezept wissen möchtest wie man das kostbare Ultramarin herstellt;)

  1. Lapislazuli wird zerstoßen, Wiederholung zwei mal
  2. vermischen mit Kiefernharz, Gummiharz und Wachs
  3. alles durch ein Leinentuch drücken
  4. Teig daraus kneten-drei Tage und drei Nächte lang
  5. Wasser in Asche gießen (= eine Lauge)
  6. in der Lauge wird der Teig solange geknetet, bis die Flüssigkeit mit blauer Farbe gesättigt ist
  7. wiederholen neue Lauge ansetzen
  8. so lange wiederholen, bis der Teig die ganze Farbe abgegeben hat
  9. Die erste Schüssel birgt den größten Schatz
  10.  die letzte Schüssel enthält Ultramarinasche. Die Asche wird zu Lasur weiterverarbeitet.

Jetzt brauchst du nur noch einen Abnehmer! Und einen Fitnesseffekt hat es auch, nach dem tagelangen kneten, kannst du sicherlich Walnüsse mit den Händen knacken;)

Die Verfilmung, das Mädchen mit dem Perlenohrring hat noch mehr zu bieten, das nächste Mal geht es um “die Tränen der Jungfrau”,  der Perlenohrring.

 

 

 

 

Quellen und weiterführende Links

http://www.chemie.de/lexikon/Malachit.html

https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2014/4/wie-das-blau-uebers-meer-kam.php#.W7qOz2gzZEY

http://www.seilnacht.com/Lexikon/Zinnober.htm

Finlay, Victoria. Colours: Die Geschichte der Farben

https://www.royaltalens.com/de-de/tipps-und-guides/ursprung-pigmente/indischgelb/

Das Mädchen mit dem Perlenohrring. Peter Webber (USA, UK; Luxemburg 2003)

TC:0:44:48;TC:0:45:41

Mineralien und Edelstein News November 2018

Schwermetalle:

Bereits unsere Vorfahren waren einer hohen Dosis Blei ausgesetzt. Aufschluss brachten 250 000 Jahre alter Zähne von Neandertalern aus dem Südosten Frankreichs.

Iran: Archäologen forschen zurzeit in der Salzmine Douzlākh. Im Bergwerk wurden Jahrhunderte bis Jahrtausende alte Mumien gefunden. Konserviert hat sie das Salz. Die Leichen sind zwar etwas geschrumpft, ansonsten sind die Körper sehr gut erhalten.

Deutschland: Ein Mann hat seine Arbeitskollegen absichtlich vergiftet. Dazu streute er Quecksilber, Bleiacetat oder Cadmium auf Wurst- und Marmeladenbrote seiner Arbeitskollegen. Einige Kollegen überlebten nicht, andere haben schwere Erkrankungen davon getragen. Indem ein Kollege seinen Brotbelag genauer inspizierte und misstrauisch wurde, konnte der Täter aufgedeckt werden.

Salzburg: Ein 60 jähriger Mann aus dem Pinzgau verunglückte tödlich, als er nach Mineralien Ausschau hielt. Er stürzte 70 Meter ab.

Umwelt und Ressourcen:

Bitcoin als “neues Gold” bezeichnet, ist ein Umweltsünder von enormen Ausmaß. Mining von Bitcoin oder Monero benötigen 17 Megajoule Energie pro US-Dollar. Litecoin und Ethereum lediglich 7 Megajoule. Genauso viel wie die letzten zwei Währungen benötigen auch Platinmetalle, 7 Megajoule. Gold wirkt fast harmlos, lediglich 5 und Kupfer 4 Megajoule.  Der absolute Energiefresser Nummer Eins, ist Aluminium mit sage und schreibe 122 Megajoule.

Bei den Kryptowährungen hängt es stark davon ab, wo und wie der Strom gewonnen wird. Bitcoins die in China generiert werden, haben einen vierfach höheren CO2 Ausstoß, als in Kanada. Standorte wie Island oder Norwegen haben hingegen eine positive Umweltbilanz, da die Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Energien stammt.

Nicht das erste Mal wird davon berichtet, dass Sand Gold wert ist. Schließlich würde ohne die feinen mineralischen Krümel weder Häuser gebaut werden können, noch Autos und Elektronik funktionieren. Inzwischen wird emsig geforscht, um Alternativen zu finden. Dabei ist Sand nicht gleich Sand.

Eine der giftigsten Plätze der Erde. Rund 6000 Menschen arbeiten auf der Deponie und nennen den Ort Sodom. 250.000 Tonnen Elektroschrott aus den Industrienationen, werden illegal nach Ghana verschifft und landen schließlich dort.

Kinostart in Österreich: 23.11.2018

Die Bestandteile sind dabei Nebensache, denn das Wort Sand ist lediglich eine Klassifizierung der Korngröße. Für die Industrie sieht es da schon anders aus, denn auch die Beschaffenheit des Sands ist wichtig. So eignet sich feingeschliffener Sand, wie man ihn in Wüsten antrifft nicht für den Bau. Darauf beruht auch der Sandengpass.

USA, Sotheby’s: Diesmal ist es kein Meteorit vom Mond, sondern Steinchen, die direkt aus dem Weltall von der sowjetischen Luna-16-Mission mitgebracht wurden. Sie sollen versteigert werden und einen Erlös von 900 000 Euro einbringen. Im Jahr 1993 wurden sie schon einmal versteigert, damals kaufte ein amerikanischer Sammler die kosmischen Brösel für 442.500 Dollar.

 

Urlaubsziel:

China, Shanghai: Ab ins chinesische Wonderland, dort wurde ein altes Bergwerk zu einem gigantischen Hotel ausgebaut. 17 Stockwerke befinden sich unter der Erde und davon sind zwei unter Wasser. Solarzellen und Erdwärme sind die Stromlieferanten des Hotels.

Edelsteine:

Afrika, Sambia: Geologen haben den Kristall von 5655 Karat im Bergwerk Kagem in der zentralen Provin Copperbelt gefunden. Er gehört zu 75 % dem Unternehmen Gemfields, der größte Smaragdproduzent der Welt. Die anderen 25 % ist er Eigentum der Regierung von Sambia.  Der Edelstein soll im November in Singapur versteigert werden. Er wird auf den Namen “Löwen-Smaragd” getauft.

Schweiz, Genf: Das Auktionshaus Christie’s bot den rosa Diamant Pink Legacy zur Auktion an. Dabei erzielte er den Rekordpreis von 44 Millionen Euro. Der Schätzpreis lag bei 27 Millionen Euro. Der Diamant stammt aus dem Besitz der Familie Oppenheimer, die früher Geschäftsleiter von De Beers waren. Der neue Besitzer taufte Diamanten prompt um in “Winston Pink Legacy”.