Teil I: Rosemary’s Baby (1968)- ein Anhänger als Beziehungsbarometer

Teil I: Rosemary’s Baby (1968)- ein Anhänger als Beziehungsbarometer

Kennst du den Film bereits?  Wenn nicht, so kann ich dir emp­feh­len, ihn dir anzu­se­hen. Die Haupt­dar­stel­le­rin ist Mia Far­row. Gera­de läuft auf 3sat der Film „Tot auf dem Nil” (1978), in dem sie die Rol­le der Jaque­line de Bel­fort spiel­te. Sie ver­lieh auch dem “letz­ten Ein­horn” (1982) ihre Stim­me und ist bekannt für ihre Ehen mit Frank Sina­tra und Woo­dy Allen.

Die Film­ge­schich­te basiert auf einem Roman von Ira Levin (“die Frau­en von Ste­pford”). Er schrieb nicht vie­le Bücher, die dafür, alle sehr erfolg­reich waren. Bereits ein Jahr nach der Buch­ver­öf­fent­li­chung ver­film­te Roman Polan­ski den Stoff. Polan­ski fei­er­te zu die­ser Zeit sei­nen Erfolg mit “Tanz der Vam­pi­re” (1967). Die Haupt­dar­stel­le­rin war Sharon Tate, die sei­ne zwei­te Ehe­frau wur­de. Kurz nach der Pre­mie­re von Rosemary’s Baby wur­de sie, hoch­schwan­ger, von der Man­son Fami­ly, ermor­det.

Falls du den Film nicht kennst, habe ich für dich eine kurze Zusammenfassung:

Das jun­ge Ehe­paar Rose­ma­ry und Guy Wood­house zie­hen in eine neue Woh­nung im Bramford­house (NY). Das Gebäu­de hat eine schreck­li­che Vor­ge­schich­te. Die zwei las­sen sich aber davon nicht abschre­cken. Rose­ma­ry ent­spricht dem gewünsch­ten Frau­en­bild der dama­li­gen Zeit, christ­lich erzo­gen, Haus­frau und ihrem Mann erge­ben. Ihr Ehe­mann ist ein mäßig erfolg­rei­cher Schau­spie­ler, der auf sei­nen Durch­bruch hofft.

Im Kel­ler lernt Rose­ma­ry die jun­ge Frau Ter­ry ken­nen, die von den Nach­barn, den Cas­te­vets auf­ge­nom­men wur­de. Wenig spä­ter wird sie tot auf der Stra­ße gefun­den, angeb­li­cher Selbst­mord.  Mimi und Roman Cas­te­vet laden Rose­ma­ry und Guy zu einem Ken­nen­lern-Essen ein. Ihr Mann Guy ver­steht sich mit Roman aus­ge­zeich­net, Rose­ma­ry hin­ge­gen fühlt sich von der extre­men Neu­gier Mimis gestört.

Rose­ma­ry wünscht sich sehn­lichst ein Kind, als ihr Mann ein­wil­ligt, gestal­tet sie einen roman­ti­schen Abend. Das Des­sert hat Mimi gemacht. Etwas stimmt nicht damit, ihr wird schumm­rig und sie ver­liert das Bewusst­sein. Sie träumt, dass sie von den Cas­te­vets und ande­ren Men­schen umge­ben ist, und von Satan höchst­per­sön­lich sexu­ell miss­braucht wird. Am nächs­ten Tag ist ihr Rücken völ­lig zer­kratzt. Ihr Mann ist belus­tigt, und meint er hät­te sich an ihr vergangen.

Die besag­te Nacht führt zur Schwan­ger­schaft. Mimi Cas­te­vet küm­mert sich um Rose­ma­ry, macht ihr Kräu­ter­drinks und ver­schafft ihr einen renom­mier­ten Frau­en­arzt. Rose­ma­ry ist trotz der hef­ti­gen Schmer­zen, die sie wäh­rend der Schwan­ger­schaft beglei­ten, gut­gläu­big gegen­über ihren Nach­barn und Ehe­mann. Ihr alter Freund Hut­ch, wird hin­ge­gen miss­trau­isch und beginnt über das Bramford­house und sei­ne Bewoh­ner genau­er zu recher­chie­ren. Als er sich mit Rose­ma­ry tref­fen will, um ihr zu sagen was er her­aus­ge­fun­den hat, erscheint er nicht. Rose­ma­ry erfährt Wochen spä­ter, dass er gestor­ben ist. Hut­ch hat ihr ein Buch hin­ter­las­sen mit einer per­sön­li­chen Wid­mung, ein Wort­rät­sel. Als sie es löst, wird ihr klar, dass die Cas­te­vets als auch ihr Ehe­mann gemein­sa­me Sache machen und einem Hexen­zir­kel ange­hö­ren.

Als sie ver­sucht zu flie­hen wird sie von Guy wie­der in das Haus zurück­ge­bracht. Dort ent­bin­det sie das Baby. Sie bekommt das Kind nicht zu sehen, statt­des­sen wird ihr gesagt, es wäre bei der Geburt gestor­ben. Rose­ma­ry hört aber Baby­schreie durch die Wän­de und folgt den Lau­ten. Es ist ihr Baby und das Kind von Luzifer.

Was hat der Anhänger mit dem Film zu tun?

In Rose­ma­rys Baby gibt es sehr vie­le Bei­spie­le, in denen Schmuck eine wich­ti­ge, oder sogar zen­tra­le Rol­le, ein­nimmt. Vor allem der Anhän­ger ist eng mit der fil­mi­schen Hand­lung ver­wo­ben und gestal­tet sie mit.

Die ers­te Nah­auf­nah­me des Schmuck­stücks lässt nicht lan­ge auf sich warten.

Der Anhän­ger besteht aus einer Hohl­ku­gel mit lan­ger Ket­te, und erin­nert an ein Pen­del, das für Hyp­no­se­zwe­cke ver­wen­det wer­den könn­te.  Pen­del ver­set­zen in einen Traum­zu­stand und beein­flus­sen den Wil­len der jewei­li­gen Per­son. Auch Rose­ma­ry unter­liegt dem hyp­no­ti­schen Bann, bis sie hin­ter die Machen­schaf­ten der Nach­barn blickt.

Rosemary's Baby Anhänger. Filmanalyse.
Ers­te Nah­auf­nah­me des Anhän­gers am Hals der Nach­ba­rin Ter­ry. Rose­ma­ry nimmt ihn in die Hand und riecht daran.

Ab die­sem Zeit­punkt wird das “Amu­lett” wich­ti­ge Funk­tio­nen im Film einnehmen.

1. Rose­ma­ry trifft beim Wäsche­wa­schen im Kel­ler auf Ter­ry, die von den Cas­te­vets wie eine Toch­ter auf­ge­nom­men wur­de. Die Zwei fürch­ten sich dort unten und Ter­ry zeigt ihr den Anhän­ger, der Talis­man, der angeb­lich Glück bringt. Rose­ma­ry fin­det ihn hübsch, aber es fällt ihr auch der merk­wür­di­ge Geruch auf, den er ver­strömt. Es han­delt sich um Tan­nis­wur­zel, wie ihr Ter­ry sagt.

2. Ter­ry liegt tot auf der Stra­ße. Der Anhän­ger um ihren Hals in der Blutlache.

3. Mimi Cas­te­vet besucht Rose­ma­ry mit einer ande­ren Nach­ba­rin zum Kaf­fee­kränz­chen. Sie über­reicht Rose­ma­ry ein Geschenk. In dem Papier befin­det sich der Anhän­ger, den zuvor Ter­ry getra­gen hat. In die­ser Sze­ne erkennst du, dass Rose­ma­ry genau weiß, dass es Ter­rys Anhän­ger war.

4. Zuerst trägt Rose­ma­ry den Talis­man. Sie erzählt es ihren Mann und nimmt ihn ab, da er so merk­wür­dig riecht. Ihr Mann fin­det den Geruch nicht so schlimm und meint sie sol­le ihn wei­ter­tra­gen, da er ja ein Geschenk ist. Rose­ma­ry ent­schließt sich anders und packt ihn in eine Schach­tel und schließ­lich in die Schub­la­de ihrer Spiegelkommode.

5. Rose­ma­ry ist schwan­ger, sie legt den Anhän­ger vor der Spie­gel­kom­mo­de wie­der an und sieht fro­hen Mutes in die Zukunft.

Film Rosemary's Baby von Roman Polanski, Der Anhänger
Das jun­ge Ehe­paar hat zuvor das freu­di­ge Ereig­nis gefei­ert. Rose­ma­ry steht mit­ten in der Nacht auf und holt den Anhän­ger aus der Schach­tel hervor.

6. Hut­ch ist auf Besuch, er sieht, wie schlecht es ihr geht. Kurz dar­auf läu­tet Roman Cas­te­vet an der Tür und fragt, ob alles in Ord­nung ist. Rose­ma­ry stellt die zwei ein­an­der vor. Zu dritt sit­zen sie im Wohn­zim­mer und Rose­ma­ry zeigt Hut­ch den Anhän­ger, den sie von den Cas­te­vets geschenkt bekom­men hat. Hut­ch riecht dar­an und ist gar nicht von dem ste­chen­den Geruch ange­tan. Rose­ma­ry sagt ihm, es ist Tan­nis­wur­zel dar­in, Hut­ch wird miss­trau­isch und fragt noch­mal nach. Roman Cas­te­vet bestä­tigt es.

Filmanalyse von Rosemary's Baby. Hutch riecht am Hexenpfeffer bzw. Tanniswurzelanhänger
Hut­ch ist auf Besuch und wen­det sich vom inten­si­ven Tan­nis­wur­zel­ge­ruch im Anhän­ger ab.

7. Rose­ma­ry wird bewusst, dass ihr Mann als auch die Cas­te­vests unter einer Decke ste­cken und Teil einer sata­ni­schen Ver­ei­ni­gung sind. Völ­lig ver­wirrt flieht sie und läuft über die Stra­ße. Ohne Halt zu machen,  lässt sie den Anhän­ger in ein Abfluss­git­ter fal­len.

Rosemary's Baby von Roman Polanski. Analyse Schmuck im Film.
Rose­ma­ry, weiß jetzt das die Cas­te­vets und ihr Mann einem Hexen­zir­kel ange­hö­ren. Ihr Ver­trau­en ist gebro­chen, sie wirft den Anhän­ger weg.

8. Auch das Feh­len des Anhän­gers wird noch ein­mal im Film auf­ge­grif­fen. Rose­ma­ry rennt direkt zu ihrem Frau­en­arzt. Als sie im Auf­ent­halts­raum war­tet, fragt sie die Sprech­stun­den­hil­fe, was sie für ein Par­fum trägt, denn das vor­he­ri­ge war grau­en­voll. Rose­ma­ry sagt ihr, dass sie einen Glücks­brin­ger um den Hals mit Tan­nis­wur­zel trug. Die Assis­ten­tin meint dar­auf, dass auch der Dok­tor so streng danach riecht, aber einen Glücks­brin­ger hät­te er nicht. Rose­ma­ry wird klar, dass auch ihr Frau­en­arzt Teil der Ver­schwö­rung ist und flüch­tet aus der Praxis.

Analyse:

Der Anhän­ger wird zu einem Baro­me­ter, wie die Bezie­hung Rose­ma­rys zu ihren Nach­barn und schließ­lich auch ihrem Ehe­mann ist.  Rose­ma­ry fin­det es sehr merk­wür­dig, dass sie den Anhän­ger der toten Ter­ry geschenkt bekom­men hat. Aus die­sem Grund legt sie ihn auch ab, der Geruch spielt dabei eine Neben­rol­le.  Ihr Unbe­ha­gen über­spielt sie, indem sie die Nach­ba­rin Mimi nach­spielt „Tan­nis gefäl­lig?“ und packt den Anhän­ger in die Schach­tel und in die Schublade.

Als sie schwan­ger wird, sieht sie end­lich ihren größ­ten Wunsch erfüllt. Sie möch­te einen Neu­be­ginn und legt den Anhän­ger vor dem Spie­gel wie­der an. Damit wird aus­ge­drückt, dass Rose­ma­ry wie­der Ver­trau­en in ihre Nach­barn und Ehe­mann gewon­nen hat.

Als Rose­ma­ry schließ­lich erfährt, dass ihr Ehe­mann und die Cas­te­vets mit­ein­an­der ver­bün­det sind, wird ihr klar, dass ihre Gut­gläu­big­keit miss­braucht wur­de und flieht. Sie will mit ihnen nichts mehr zu tun haben, und lässt den Anhän­ger in das Abfluss­git­ter fal­len. Der Anhän­ger zeigt das Ende ihres Ver­trau­ens zu ihrem Mann und den Castevets.

Der stechende Geruch

Mit Hil­fe des Anhän­gers wird der durch­drin­gen­de Geruch von Tan­nis visu­ell aus­ge­drückt und fast spür­bar gemacht. 

Das ers­te Mal als Rose­ma­ry, Ter­ry im Wasch­kel­ler ken­nen­lernt, fällt Rose­ma­ry bereits der Geruch auf und ver­zieht die Nase.

Die Reak­ti­on ihres Ehe­manns  fällt weni­ger dras­tisch aus, er meint sogar, Rose­ma­ry soll ihn ruhig wei­ter tragen.

Rose­ma­ry packt ihn zuerst weg, holt ihn aber wie­der her­vor, als sie weiß, dass sie schwan­ger ist. Der Anhän­ger ist in Alu­fo­lie ein­ge­packt gewesen.

Am stärks­ten ist die Reak­ti­on bei Hut­ch (der gute Freund von Rose­ma­ry). Er ist rich­tig ange­wi­dert von dem Geruch und dreht sich weg.

Der Anhän­ger mit Tan­nis­wur­zel dient in die­sen Sze­nen als eine Art Miss­trau­ens­ba­ro­me­ter, das immer mehr steigt. Rose­ma­ry hat das Gefühl, das etwas merk­wür­dig ist, Guy fühlt sich wohl, und Hut­ch merkt, dass etwas nicht stimmt und sucht nach Antworten.

Jetzt wurde so viel über Tanniswurzel gesprochen, was ist das eigentlich?

Im Inter­net wird spe­ku­liert, ob es Tan­nis über­haupt gibt, oder nicht. Ein Screen­shot aus dem Film löst das Rät­sel auf.

Rosemarys Baby Rätsel Tanniswurzel ist Hexenpfeffer gelöst.
Rose­ma­ry liest im Buch über Tan­nis­wur­zel der auch Hexenpef­fer genannt wird.

 

Tan­nis ist also Hexen­pfef­fer (bzw. auch Mönchs­pfef­fer, Keusch­baum, und Keuschlamm). Die Pflan­ze wirkt auf den Hor­mon­haus­halt von Mann und Frau unter­schied­lich. Für Frau­en kann die Chan­ce einer Schwan­ger­schaft ver­mut­lich erhöht wer­den. Auch führt es zur Stei­ge­rung des Gelb­kör­per­hor­mons und soll bei PMS und Zyklus­stö­run­gen hel­fen. Das ist wis­sen­schaft­lich belegt. In der Schwan­ger­schaft soll es nicht ver­wen­det wer­den, da es auf die Hor­mo­ne ein­wirkt. Zwar wird Tan­nis­wur­zel auch als Aphro­di­sia­kum ver­wen­det, hat beim Mann aber eine Sen­kung des Tes­to­ste­ron­spie­gels und somit Schwä­chung des Sexu­al­trie­bes zur Fol­ge. Es wur­de in frü­he­ren Zei­ten als Pfef­fer­er­satz verwendet.

Der zwei­te Teil wird sich mit den unge­wöhn­li­chen Schmuck­ele­men­ten in Rose­ma­rys Baby beschäf­ti­gen, seid gespannt und bleibt dran:) 

 

 

 

Film: Rosemary’s Baby. Roman Polan­ski. USA 1968.

TC: 0:13:43;  TC: 0:13:43; TC: 0:15:40;  TC:0:30:52; TC: 0:30:59; TC: 0:31:59; TC: 0 55 42; TC: 1 02 2; TC: 1 33 52; TC:1:23:55

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