Obsidian: Der Stein des Gemetzels

Obsidian: Der Stein des Gemetzels

Du kennst sicher­lich das Vul­kan­g­las Obsi­di­an, das in der Stein­zeit als Jagd-und Schneid­werk­zeug ver­wen­det wur­de. Dies­mal wer­fen wir einen Blick nach Mit­tel­ame­ri­ka und danach sehen wir uns das Vul­kan­g­las und sei­nen Gebrauch im Hier und Jetzt an.

Obsidian und der Gott des Steins “Itztli”

Bei den Völ­kern Mit­tel­ame­ri­kas war Obsi­di­an ein begehr­tes Han­dels­gut, dass von gro­ßer reli­giö­ser Bedeu­tung war.  Das Vul­kan­g­las wur­de auch von den Tol­te­ken, Mayas und Azte­ken als Waf­fe und Schneid­werk­zeug ein­ge­setzt. Die Azte­ken nann­ten das vul­ka­ni­sche Gestein „itz­li“ und den Gott des Stei­nes “Itzt­li”.  “Itzt­li” wur­de auch  ein ritu­el­len Dolch, der für die Men­schen­op­fe­rung gedacht war, bezeich­net. Es wur­den aber auch ande­re Gegen­stän­de aus Obsi­di­an gefer­tigt. Zum Bei­spiel Geschirr, ritu­el­le Objek­te wie Sta­tu­en und Mas­ken und  Spie­gel, die nicht nur aus Pyrit bestan­den, son­dern auch aus hoch­po­lier­ten Obsidian.

Menschenopferung Azteken Abbildung

Eine Waffe aus Obsidianklingen das Macuahuitl

Beson­ders grau­sam und effek­tiv war das Kriegs­ge­rät Macua­huitl.  Es han­del­te sich dabei um einen Holz­schle­gel, der wie ein Cri­cket­schlä­ger aus­sah und an dem zahl­rei­che recht­ecki­ge Obsi­dian­klin­gen auf bei­den Sei­ten ange­bracht waren. Die­se Waf­fe konn­te laut his­to­ri­scher Quel­len mit einem Hieb ein Pferd ent­haup­ten. Haupt­säch­lich soll­te es den Geg­ner aber so schwer ver­let­zen, dass er kampf­un­fä­hig wur­de. Die Azte­ken woll­ten ihre Fein­de nicht töten, son­dern benö­tig­ten sie für ritu­el­le Opfe­run­gen. Dafür wur­den sogar eige­ne Krie­ge, soge­nann­te  “Blu­men­krie­ge” abge­hal­ten. Der Geg­ner waren Volks­stäm­me in der Nach­bar­schaft, die bereits unter­wor­fen waren und in einer Art Lehens­sys­tem dien­ten.  Die Beschaf­fung mensch­li­cher Opfer für die eige­nen Göt­ter, mach­te den Krieg zur Not­wen­dig­keit. Die Göt­ter woll­ten Blut, damit die Böden eine rei­che Ern­te gewährten.

Das Macua­huitl war nicht nur bei den Azte­ken in Gebrauch, es war weit ver­brei­tet bei den Völ­kern Mit­tel­ame­ri­kas.  Obsi­di­an war ein lukra­ti­ves Han­dels­gut, denn die Benut­zung der Klin­gen erlosch nicht, wie auf dem “euro­päi­schen” Fest­land. Obsi­di­an war in “Euro­pa” nicht so ein­fach zu beschaf­fen und als die Bron­ze­zeit ein­ge­lei­tet wur­de, lös­te Metall die vul­ka­ni­schen Glas­klin­gen ab.  In Mit­tel­ame­ri­ka wur­de die­se Pha­se nicht durch­lau­fen. Obsi­di­an war ein Weg­werf­pro­dukt, natür­lich mit einer bei wei­tem bes­se­ren Umwelt­bi­lanz, als die Kon­sum­gü­ter heut­zu­ta­ge. Da Obsi­di­an nicht bruch­fest ist, leicht absplit­tert und schnell an Schär­fe ver­liert, war der Bedarf an Obsi­dian­klin­gen sehr groß. Die Vul­kan­g­las­klin­gen des Macua­huitl konn­ten des­we­gen auch aus­ge­wech­selt werden.

Hier siehst du das Macua­huitl in Akti­on. Falls du schwa­che Ner­ven hast, soll­test du dir die­ses Video bes­ser nicht anse­hen. Es wird demons­triert wel­che Ver­let­zun­gen die Waf­fe anrich­ten konnte.

Verwendung von Obsidian in der Gegenwart

Zwar fin­dest du online genü­gend Obsi­dian­klin­gen und Dol­che, aber bei die­sen han­delt es sich um Nach­bil­dun­gen, die nichts mit ech­ten Fund­stü­cken zu tun haben. Und zum Glück sind sie auch nicht mehr dazu gedacht Mensch oder Tier damit zu scha­den.  Mes­ser aus Obsi­di­an wer­den so gut wie nicht mehr ein­ge­setzt, obwohl sie bis zu fünf mal schär­fer als das bes­te Skal­pell sind  und 10–12 mal fei­ner als eine Rasier­klin­ge sind. Trotz­dem begeg­net dir Obsi­di­an im All­tag öfters als du glaubst und das nicht nur in Schmuck-und Perlenform.

Zum Bei­spiel im Bau­stoff­be­reich. Um Obsi­di­an ver­wen­den zu kön­nen, wird das Vul­kan­g­las zuerst che­misch ver­än­dert. Danach wird es auf 800 Grad erhitzt und es bläht sich wie Pop­corn auf. Der fer­ti­ge Stoff, der dabei ent­steht  heißt “Per­li­te”. Per­li­te besitzt eine “per­len­ar­ti­ge” Struk­tur, hat eine wei­ße Far­be und ist sehr leicht. Es  dient zur Wär­me-und Käl­te­däm­mung aber auch als Fil­ter­mit­tel für Geträn­ke, Zusatz­stoff in Kos­me­ti­ka, oder als Gar­ten­sub­strat. Per­li­te hat vie­le posi­ti­ve Eigen­schaf­ten, dazu zählt, dass es nicht ver­rot­tet und von Schäd­lin­gen ver­schont bleibt.  Für die Umwelt ist Per­li­te unbe­denk­lich und kann unkom­pli­ziert ent­sorgt wer­den.  Der Vor­teil che­misch ver­än­der­tes Vul­kan­g­las für den Bau­sek­tor zu ver­wen­den liegt auf der Hand, es lässt sich kos­ten­güns­tig trans­por­tie­ren, sehr gut ver­bau­en und ein­fach entsorgen.

Die wichtigsten Anwendungen von Obsidian im Überblick

  • Bau­in­dus­trie

Die Bedeu­tung von Obsi­di­an, in Form von Per­li­te, nimmt immer mehr zu.  Es ist her­vor­ra­gend für die Käl­te-und Wär­me­däm­mung geeig­net und wird auch im Brand­schutz ein­ge­setzt. Wei­ters ist es auch ein Zusatz-und Füll­stoff für Kleb­stof­fe, Tro­cken­mör­tel, Far­ben, Put­ze und Lacke.

  • Lebens­mit­tel

Es wird zur Fil­te­rung von Was­ser, Bier und Wein eingesetzt.

  • Kos­me­tik 

Zusatz­stoff in Anti-Tran­spi­rant-Deos und Zahnpasta

  • Chir­ur­gie

Ins­be­son­de­re für die Herz­chir­ur­gie kann Obsi­di­an von Bedeu­tung sein. Durch den Ein­satz einer Obsi­dian­klin­ge ist der Ein­griff weni­ger trau­ma­tisch und dadurch kann die Wun­de schnel­ler ver­hei­len. Das ver­spricht wie­der­um weni­ger Narbenbildung.

  • Schmuck und Skulptur

Obsi­di­an wird sehr ger­ne zu Per­len geschlif­fen, sel­te­ner sieht man das Vul­kan­g­las  als Anhän­ger oder Cabo­chon ver­ar­bei­tet. Im Han­del fin­den sich  Nach­bil­dun­gen von Pfeil­spit­zen die an die Stein­zeit erin­nern sol­len. Sehr ger­ne wer­den auch “ritu­el­le Dol­che” nach­ge­bil­det.  Obsi­di­an kann in der Schmuck­in­dus­trie auch als Boden für Dublet­ten ver­wen­det wer­den. Eine Dublet­te besteht aus zwei Tei­len, wobei der obe­re Teil gewöhn­lich aus sehr dünn geschnit­te­nen Opal und der unte­re Teil aus einem schwar­zen Edel­stein besteht. Bei­de Tei­le wer­den zusam­men­klebt und stel­len eine kos­ten­güns­ti­ge Opal­va­ri­an­te dar.

  • Gar­ten 

Obsi­di­an wird in Form von Per­li­te als Sub­strat ver­wen­det. So wie Ver­mi­cu­lit kann auch Per­li­te ein Gewinn für den Gar­ten sein.

Falls du ger­ne im Gar­ten arbei­test, erklärt dir die­ser Spe­zia­list wie Per­li­te rich­tig ein­ge­setzt wird. Denn auch die rich­ti­ge Anwen­dung von Boden­sub­stra­ten ist eine Wis­sen­schaft für sich.

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ver­wen­de­te Quellen:

https://www.energie-experten.org/bauen-und-sanieren/daemmung/daemmplatten/perlite-daemmplatten.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Perlit_(Gestein)

https://books.google.at/books?id=0Rk1DQAAQBAJ&pg=PA334&lpg=PA334&dq=itzli+knife+aztecs&source=bl&ots=87WPO_15‑s&sig=ACfU3U2_e5nSXPjp92PUUCT21jmztqEl4A&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwi15K2EwavjAhUT6KYKHeZpDU8Q6AEwDXoECAgQAQ#v=onepage&q=itzli%20knife%20aztecs&f=false

https://www.mayaincaaztec.com/itztli.html

https://sciencetrends.com/obsidian-characteristics-and-properties/

http://www.vulkane.net/vulkanismus/magma-lava.html

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