Koru. Gruß aus Neuseeland

Koru. Gruß aus Neuseeland

Kia ora! Hal­lo! in Māo­ri! Die­ser Anhän­ger, mit dem Sym­bol Koru  fand den Weg zu mir.

Eine Freun­din, die ich an der Uni­ver­si­tät ken­nen lern­te, hat ihn mir geschenkt. Wie so oft stu­dier­ten wir vie­le Jah­re neben­ein­an­der her, saßen in den glei­chen Klas­sen, und trotz­dem ergab sich kaum ein Gespräch. Erst gegen Ende der Stu­di­en­zeit lern­ten wir ein­an­der bes­ser ken­nen und wir wur­den Freun­de.  Nach dem Stu­di­um blieb sie noch eini­ge Zeit in Wien, schließ­lich ent­schloss sie sich zu ihrer Fami­lie nach Neu­see­land zu zie­hen. Seit­dem, das  ist jetzt acht Jah­re her, haben wir uns nicht mehr getrof­fen, ste­hen aber dank des WWW wei­ter in Kontakt.

Man­che Freund­schaf­ten hal­ten über Kon­ti­nen­te hin­weg. Das lie­be ich so am Inter­net! Man kann sich in Echt­zeit unter­hal­ten und sehen. Trotz­dem ist ein Päck­chen dann noch mal etwas ganz beson­de­res, vor allem wenn es aus Neu­see­land kommt.

Da ich mich so ger­ne mit Schmuck beschäf­ti­ge, schau­en wir uns den Anhän­ger ein­mal genau­er an.

Koru,  der eingerollte Siberfarn

Der Schmuck­an­hän­ger sym­bo­li­siert, man könn­te sagen, die natio­na­le See­le Neu­see­lands. Die spi­ral­ar­ti­ge Form stellt ein ein­ge­roll­tes Farn­blatt dar und ist tief mit der Māo­ri Kul­tur ver­bun­den. Das Sym­bol ist nicht allein Deko­ra­ti­on, son­dern immer auch Teil der Stammesgeschichte.

Koru als national-kulturelles Symbol

In Neu­see­land ist man bestrebt, sich für die frü­he­ren Ver­bre­chen der Kolo­nia­li­sie­rung  wie Land­ent­eig­nung und “Zwangs­eu­ro­päi­sie­rung” zu ent­schul­di­gen.  Bis heu­te sind die Nar­ben der kul­tu­rel­len Ent­eig­nung in Neu­see­land sicht­bar und wir­ken sich nega­tiv auf die Māo­ri aus. Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen und die Bemü­hung, den Māo­ri und ihrer Kul­tur einen eben­bür­ti­gen Platz in der neu­see­län­di­schen Gesell­schaft der Gegen­wart zu geben, indem ihr kul­tu­rel­les Erbe für alle geöff­net wird, sind wei­te­re Ver­su­che, um die Tra­di­tio­nen am Leben zu erhal­ten. So wur­de die Bedeu­tung von Koru erwei­tert. Es soll eine Brü­cke zwi­schen den Mao­ri und den Ein­wan­dern Neu­see­lands schla­gen und eine neue natio­nal-kul­tu­rel­le Ein­heit ermöglichen.

Koru für Werbung und Tourismus

Das Sym­bol Koru fin­det sich, mehr oder weni­ger abs­tra­hiert, über­all in Neu­see­land. Sobald du mit der Air New Zea­land fliegst, siehst du es am Heck. Zahl­rei­che Fir­men ver­wen­den das Sym­bol als Logo und machen damit Wer­bung.  Die Kul­tur der Māo­ri, ist neben der Schön­heit der Natur (koru) auch ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor Neu­see­lands. Denn was wäre der Lan­des­tou­ris­mus ohne eine Haka Vor­füh­rung, oder die außer­ge­wöhn­li­chen Schnit­ze­rei­en und Tätowierungen.

 

Wenn du dich mit der Mao­ri Kul­tur beschäf­tigst, wird dir Koru an Gebäu­den, Waf­fen, Werk­zeu­ge, Kanus, Schmuck in geschnitz­ter, gemal­ter oder täto­wier­ter Form begegnen.

Koru Bedeutungen

  • Erneue­rung und Wiedergeburt
  • der ewi­ge Kreislauf
  • zurück zum Ursprung
  • das Leben ver­än­dert sich und bleibt doch gleich
  • Schön­heit der Natur
  • Wachs­tum und neu­er Weg

Koru Verwendung

  • kul­tu­rel­les Sym­bol (Koexis­tenz von Mao­ri  und “Nicht­mao­ri”)
  • Fes­ti­gung  der Landesidentität
  • Kunst­hand­werk, Dekoration
  • Bewah­rung der Geschich­te und Erzählmittel
  • Tou­ris­mus und Werbung

Ein Anhänger aus Muschel und Knochen

Koru Anhänger Neuseeland

Sehen wir uns das Mate­ri­al genau­er an. Tra­di­tio­nell wur­den Māo­ri Anhän­ger aus Neu­see­land Jade (Nephrit Jade) , Wal­kno­chen, Perl­mutt oder Holz her­ge­stellt. Statt Wal­kno­chen wird meis­tens Rin­der­kno­chen, aber auch Hirsch­horn ver­wen­det. Bei die­sem Anhän­ger wur­de Rin­der­kno­chen, der zuvor mit Was­ser­stoff­per­oxid gebleicht und ent­fet­tet wur­de, verwendet.

Bei einem bräun­li­chen Ton wer­den die Stü­cke geräu­chert, oder in schwar­zem Tee getränkt.

 

Die Paua “Muschel”

Das Auge des Koru Anhän­gers besteht aus der Paua Muschel, die auch  Meh­rohr, Aba­lo­ne,  “Opal des Mee­res” bzw. Regen­bo­gen-Aba­lo­ne genannt wird.

Die Paua Muschel ist in Wahr­heit kei­ne Muschel, son­dern eine Schne­cke, und wird vor der Küs­te Aus­tra­li­ens, Japans, Tai­wans, Chi­nas und Neu­see­lands gezüch­tet. Sie wird bis zu 30cm lang und ger­ne als teu­re Deli­ka­tes­se verspeist.

Die Ober­flä­che der Schne­cke ist eigent­lich pink, erst durch das Abtra­gen der äuße­ren Schicht wird sie rund­um kunterbunt.

Achtung Staub!

Falls du selbst auf die Idee kom­men soll­test, dir einen Anhän­ger aus den genann­ten Mate­ria­li­en zu schnit­zen, soll­test du immer dar­auf ach­ten einen aus­rei­chen­den Atem­schutz zu tra­gen. Perl­mutt, als auch Kno­chen­stäu­be, kön­nen zu einer Staub­lun­ge (Sili­ko­se) und mög­li­cher­wei­se zu all­er­gi­schen Reak­tio­nen füh­ren. Da es online auch Berich­te dar­über gibt, dass mög­li­cher­wei­se schwe­re bak­te­ri­el­le und vira­le Erkran­kun­gen, wie BSE über­tra­gen wer­den kön­nen, habe ich bei der deut­schen Lun­gen­stif­tung nachgefragt.

Prof. Dr. T.O.F. Wagner:

“obwohl Muschel­scha­len und Perl­mutt nicht nur Kalk ent­hal­ten, son­dern auch orga­ni­sches Mate­ri­al, und vie­le Berich­te über damit ver­bun­de­ne Krank­hei­ten kur­sie­ren, gibt es kei­ne siche­ren Bele­ge für die Über­tra­gung von infek­tiö­sen Erkran­kun­gen durch sol­che Stäube.”

 

Und guten Start ins neue Jahr!

 

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