Schmuckes Herz

Schmuckes Herz

Wenn ich durch die Innen­stadt gehe, gibt es kaum ein Schmuck­ge­schäft, wo es sich nicht fin­den lässt, das Herz­sym­bol. Ob mit Stei­nen ver­ziert oder mit Rosé­gold gal­va­ni­siert, in Minia­tur oder in beacht­li­cher Grö­ße, kei­ne Bijou­te­rie kann dar­auf verzichten.

Aber war das schon immer so? Woher stammt eigent­lich das Herz­sym­bol und war­um ver­bin­den wir damit ewi­ge Liebe?

Inzwi­schen ist das Herz welt­weit das Lie­bes­sym­bol schlecht hin, und jeder weiß, was die Herz­form zu bedeu­ten hat. Das Herz­sym­bol wur­de zu einem glo­ba­len Export­schla­ger und ist aus unse­rem All­tag nicht mehr weg­zu­den­ken, und, beson­ders als Schmuck­ge­gen­stand, sehr weit ver­brei­tet. Wir deu­ten Her­zen mit unse­ren Hän­den auf Fotos an (sehr beliebt in Chi­na), oder bestü­cken unse­re vir­tu­el­len Kurz­nach­rich­ten mit Her­ze­mo­jis. Wir tra­gen Herz­sym­bo­le nah am Kör­per, ger­ne um den Hals oder Hand­ge­lenk. Unse­re Kul­tur ist mit dem Sym­bol des Her­zens über­flu­tet. Es fin­det sich im Schrift­zug gro­ßer Mar­ken (I’m lovin it!)  auf Ver­pa­ckun­gen von Scho­ko­la­de, in ame­ri­ka­ni­schen Block­bus­tern wie Tita­nic, „das Herz des Oze­ans“, in DIY–Videos und als Ver­zie­rung jeg­li­cher Art.

Woher kommt das Herzmotiv und was bedeutete es es früher?

Soweit man bis heu­te weiß, ver­wen­de­ten die Grie­chen, vor über 3500 Jah­ren, die uns bekann­te Herz­form als Deko­ra­ti­on auf Ton­ge­fä­ßen und Beklei­dung. Wir wür­den heu­te Her­zen sehen, aber für die Grie­chen waren es Efeu­blät­ter (Hede­ra Col­chi­ca- per­si­scher Efeu).

Ursprung Herzform und Bedeutung
Man sieht die Herz­form auch bei ande­ren Efeu­ar­ten, wenn die Blät­ter noch jung sind.

Der Efeu hat­te die Bedeu­tung der Unsterb­lich­keit, Treue und Lie­be. Er trug auch im Win­ter grü­ne Blät­ter und kann bis zu 400 Jah­re alt wer­den. Aus die­sem Grund fand sich das Efeu-Herz­mo­tiv oft auf Grab­stei­nen und ist heu­te noch zahl­reich auf Fried­hö­fen zu fin­den. Der Efeu war auch dem Gott Dio­ny­sos (dem Gott des Wei­nes und der Lebens­lust) geweiht, er trug die Blät­ter als Kranz auf sei­nem Haupt. Das kam ver­mut­lich daher, dass Wein ger­ne mit Efeu ver­setzt wur­de, um den rau­sch­ar­ti­gen Effekt zu ver­stär­ken – (Vor­sicht Efeu ist gif­tig!!!- also kei­ne Expe­ri­men­te).

Grie­chi­sche Braut­paa­re beka­men Efeuzwei­ge bei der Zere­mo­nie über­reicht, um ihre ewig wäh­ren­de Ver­bun­den­heit aus­zu­drü­cken. Und weil der Efeu auch eine hei­li­ge Pflan­ze der Musen war, wur­den Dich­ter mit der Pflan­ze bekränzt. Es war also nicht nur die Trau­er die der Efeu sym­bo­li­sier­te, son­dern auch die Lebensfreude.

Im Mit­tel­al­ter nahm das Herz­sym­bol wei­te­re Bedeu­tun­gen ein.  Es gibt zum Bei­spiel eine Abbil­dung auf einem Wand­tep­pich, bei der ein Rit­ter sein klei­nes rotes Herz einem Burg­fräu­lein über­rei­chen möch­te. Für ihn, dem Min­nen, war die Lie­be ein abso­lu­tes Ide­al. Die Lie­be soll­te „rei­nen“ Her­zens sein, sozu­sa­gen pla­to­nisch-freund­schaft­lich und von sexu­el­len Bedürf­nis­sen befreit.

Auch in der christ­li­chen Iko­no­gra­fie fand das Herz Ein­gang und durch einen Mas­sen­kult, der Herz-Jesu-Ver­eh­rung im 17. Jahr­hun­dert, kam es zu zahl­rei­chen Herz­ab­bil­dun­gen. Den Kult begrün­de­te eine fran­zö­si­sche Schwes­ter, die eine Visi­on, von Jesus mit dem flam­men­den Her­zen, das von einer Dor­nen­kro­ne umge­ben war, hatte.

Nicht nur die Kir­che führ­te zur Ver­brei­tung, son­dern auch die Unter­hal­tungs­in­dus­trie der dama­li­gen Zeit. Es wur­de popu­lär Kar­ten zu spie­len, Herz­bu­be, Dame und König waren nicht nur am Königs­hof gern gese­he­ne Gäste.

Wurden damals schon Schmuckherzen getragen?

Aber ja, nur die Form als auch die Bedeu­tung waren nicht immer so wie wir das Herz heu­te sehen. Es gab zum Bei­spiel das Witch’s Heart (Hexen­herz), leicht erkenn­bar an sei­ner beson­de­ren Form. Die Herz­spit­ze war meis­tens zur rech­ten Sei­te (aus Sicht des Betrach­ters) gebo­gen. Das Witch’s Heart war aber mehr Talis­man als Lie­bes­sym­bol. Es soll­te vor dem bösen Blick schüt­zen und Unheil ver­hin­dern. In Schott­land wur­de das glei­che Schmuck­stück Lucken­booth heart genannt, und an Kin­der­de­cken gesteckt, um die schla­fen­den Klei­nen zu beschüt­zen.

Es gab aber auch Herz­for­men die mehr an einen Trop­fen, als an das heu­ti­ge Herz erin­nern, trotz­dem ging es aber noch als Herz durch.  Beliebt war auch die Darstel­lung des Her­zens mit einer Kro­ne. Es sym­bo­li­sier­te vor allem Loya­li­tät und war ver­hei­ra­te­ten Paa­ren vorbehalten.

Im Zeit­raum 17–18. Jahr­hun­dert änder­te sich die Bedeu­tung immer mehr zu einem Sym­bol der Lie­be zwi­schen zwei Men­schen. Und auch das Witch’s Heart wur­de umin­ter­pre­tiert und plötz­lich zu einem Herz, wel­ches den Beschenk­ten ver­zau­bert hat­te. Es gab auch ori­gi­nel­le Rin­ge wie den Gim­mel Ring (lat. Gemel­lus – Zwil­ling), der ger­ne zur Ver­lo­bung gege­ben wur­de. Der Ring bestand aus Hän­den, die ein Herz umschlos­sen hiel­ten. Die Hän­de konn­ten sich öff­nen, und das Herz frei­le­gen. Die­ser Ring wur­de bereits von den Römern erfun­den. Er bestand aus zwei oder drei Rin­gen, die inein­an­der pass­ten, ver­bun­den mit einem Schar­nier, und zusam­men­ge­legt einen ein­zi­gen Ring bil­de­ten. Auch das Hand­mo­tiv als fede (mani in fede = Hän­de im Glau­ben) wur­de von den Römern ver­wen­det. Zwar war der Ring auch bei den Römern ein Ver­lo­bungs- und Ehe­ring, hat­te aber mehr eine ver­trag­li­che- als eine Lie­bes­sym­bo­lik. Neu bei dem fede-gemme-Ring war das umschlos­se­ne Herz. Das Herz stand für Lie­be, die Hän­de für Freund­schaft, und die Kro­ne für Loyalität.

Ande­re Schmuck­stü­cke, die für ewi­ge Lie­be stan­den, wur­den mit ver­schlun­ge­nen Her­zen dar­ge­stellt. Ver­bun­den­heit wur­de ger­ne mit Her­zen die neben­ein­an­der gesetzt waren, gezeigt.

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