Was ist DAS! im Katzengras?

Was ist DAS! im Katzengras?

Vermiculit im Katzengras AnzuchtsubstratIch bin gera­de dabei ein wenig Kat­zen­gras anzu­set­zen, und hole den Beu­tel mit Anzucht­sub­strat raus, da kommt mir auf ein­mal etwas dar­in bekannt vor. Zwi­schen den Getrei­de­sa­men schim­mert es leicht und ein würm­chen­ar­ti­ges Etwas befin­det sich dazwi­schen. Ich habe mich schon öfters gefragt, was das denn ist, und jetzt kam das Heu­re­ka!!!

Ich hat­te das Zeug vor kur­zem im Natur­his­to­ri­schen Muse­um (NHM-Wien) gese­hen, und sogar ein Foto davon gemacht. Es sieht so gar nicht mine­ra­lisch aus, aber da soll­te man sich nicht täu­schen las­sen, denn es ist ein Mine­ral und nennt sich Ver­mi­cu­lit. Und da es nicht nur so aus­sieht, wur­de es auch gleich danach benannt, ver­mi­cu­lus (lat.) der klei­ne Wurm, bzw. Würm­chen.

Vermiculit was ist das genau?

Eigent­lich sieht es zuerst gar nicht würm­chen­mä­ßig aus, es ist eher blätt­rig und schup­pig und bil­det Aggre­ga­te, also eine Zusam­men­set­zung ver­schie­de­ner Stof­fe. Es gehört den Ton­mi­ne­ra­li­en an und ähnelt äußer­lich als auch struk­tu­rell den Glim­mer­mi­ne­ra­len. Es bil­det sich aus Phlo­go­pit oder Bio­titDas erklärt auch das leich­te Schim­mern dazwi­schen. Zu Würm­chen wird das zieh­har­mo­ni­ka­ar­ti­ge Mine­ral erst, wenn man es auf bis zu 900 Grad erhitzt (ab 200–300 Grad setzt der Pro­zess ein), dann bläht es sich auf.

Phlogopit verwittert wird zu Vermiculit, ES löst sich in Schichten ab
Phlo­go­pit unver­wit­tert in Schichten
dünnes Blatt Phlogopit
man kann die hauch­dün­nen Blät­ter abziehen

Was hat es im Anzuchtsubstrat verloren?

Ver­mi­cu­lit hat ver­schie­de­ne posi­ti­ve Eigen­schaf­ten, eine davon ist sei­ne star­ke Saug­fä­hig­keit, und es ist ein guter Luft- und Was­ser­spei­cher. Aus die­sem Grund fin­det es sich auch für die Anzucht von Kat­zen­gras. Das Mine­ral hat noch zahl­rei­che wei­te­re posi­ti­ve Eigen­schaf­ten. Es ist brand­fest, ein guter Wär­me- und Käl­te­dämm­stoff und keim­frei.

  • Da es das 600 –fache sei­nes eige­nen Gewichts an Feuch­tig­keit auf­neh­men kann, wird es als Boden­streu für die Geflü­gel­zucht und als Kat­zen­streu verwendet.
  • Im Gar­ten­bau und der Pilz­an­zucht ver­wen­det. In der Ter­r­aris­tik, wird es als Brut­sub­strat, für Rep­ti­li­en und ande­res Getier, benutzt.
  • Ver­mi­cu­lit ist sehr leicht und eig­net sich her­vor­ra­gend als Ver­pa­ckungs­füll­stoff, beson­ders für Gefahr­stof­fe, wie ver­schie­de­ne Säu­ren, Lau­gen und Ver­dün­nungs­mit­tel,. Auch als Ölbin­der wird es eingesetzt.
  • In der Indus­trie wird es wegen sei­ner Feu­er­fes­tig­keit, als  Abla­ge­sub­stanz für die Glas- und Stahl­pro­duk­ti­on ein­ge­setzt. Als Wär­me- und Käl­te­iso­la­tor im Haus­bau (meist als Streu­gra­nu­lat, aber auch Zusatz im Beton), oder in Kami­nen und Öfen. In Autos im Kata­ly­sa­tor, als Iso­la­tor in der Brems­schei­be, um Gewicht zu redu­zie­ren, und an ande­ren Stel­len die wich­tig für die Abdich­tung sind.
  • Was mich am meis­ten gewun­dert hat, war die Anwen­dung im Tier­fut­ter und als homöo­pa­thi­sches Mit­tel für Mensch und Tier. Im Fut­ter ist es in ers­ter Linie ein Füll­stoff, das zusätz­lich wich­ti­ge Spu­ren­ele­men­te beinhaltet.
  • Um Getrei­de pilz­frei zu hal­ten wird es mit Pro­pi­on – und Amei­sen­säu­re ver­mischt, und in den Silos ver­teilt. Das Gemisch ver­gast inner­halb des Getrei­des und hält es so von Schim­mel und Pil­zen frei.
  • Im medi­zi­ni­schen Bereich soll es eine ent­zün­dungs­hem­men­de Wir­kung, ins­be­son­de­re auf den Bewe­gungs­ap­pa­rat, (bei rheu­ma­ti­schen Erkran­kun­gen, Osteo­po­ro­se) haben, und wur­de das ers­te Mal (soweit bekannt) in den 1980-er Jah­ren angewendet.

Es fin­det sich neben dem Namen Ver­mi­cu­lit auch unter dem Prä­pa­rat Vit­amin D6, und wur­de von einer hol­län­di­schen Fir­ma pro­du­ziert, die inzwi­schen, soweit ich der Web­site ent­neh­men konn­te still­ge­legt wur­de. Wenn man sich die Zusam­men­set­zung des Pro­dukts ansieht, besteht es aus 99% Cal­ci­um­car­bo­nat (dazu ein ander­mal genau­er), das ger­ne als Füll­stoff in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie ein­ge­setzt wird. Cal­ci­um­car­bo­nat ist zwar völ­lig unbe­denk­lich und stärkt die Kno­chen, aber mit einem Ver­mi­cu­lit­wun­der hat das Gan­ze nicht mehr viel zu tun. Ver­mi­cu­lit wird als Zusatz­stoff unter  E561 ange­führt, als Bin­de­mit­tel und Fließ­hilfs­stoff in der Tiernahrung.

Das Gute an Ver­mi­cu­lit ist, dass es gesund­heit­lich völ­lig unbe­denk­lich ist, und über den Bio­müll ent­sorgt, bzw. gleich der Gar­ten­er­de unter­ge­mischt wer­den kann.

Wo Licht ist gibt es auch Schatten: 

Vor eini­gen Jah­ren kam es zu einem Skan­dal in der Stadt Lib­by (USA, Mon­ta­na). Seit 1919 wur­de dort Ver­mi­cu­lit abge­baut und als Bau- und Dämm­stoff ver­ar­bei­tet. Als 1963 die Fir­ma W.R. Grace&Company über­nahm, war ihnen bekannt, dass Asbest gesund­heits­schäd­lich ist, und das dort abge­bau­te Ver­mi­cu­lit damit ver­setzt war. Die Ange­stell­ten wur­den dar­über aber nicht in Kennt­nis gesetzt. Vie­le Arbei­ter, aber auch ande­re Men­schen in der Stadt, erkrank­ten. Erst 1990 wur­de die Mine geschlos­sen. Es brauch­te wei­te­re neun Jah­re bis auf die Tra­gö­die auf­merk­sam gemacht wur­de. Erst als die Online­zei­tung Seat­tle Post- Ingel­li­gen­cer meh­re­re Arti­kel über die Stadt ver­öf­fent­lich­te, wur­de die Öffent­lich­keit auf das Aus­maß der Kata­stro­phe auf­merk­sam. Es erfolg­te eine der größ­ten und längs­ten Asbest­säu­be­rungs­ak­ti­on in den USA, die bis heu­te nicht abge­schlos­sen ist.

Wäh­rend Asbest bei uns seit 1990 ver­bo­ten ist, ist es in den USA wei­ter­hin in vie­len Pro­duk­ten zuge­las­sen. In den letz­ten Jah­ren kam es zu zahl­rei­chen Kla­gen die in die 100 Mil­lio­nen Dol­lar gin­gen, und das wird erst der Anfang sein, da in unzäh­li­gen öffent­li­chen- und Pri­vat­häu­sern Asbest ver­baut wur­de. Um das Gan­ze nicht mit einem bit­te­ren Nach­ge­schmack zu been­den, Ver­mi­cu­lit selbst, ist voll­kom­men ungif­tig und wird in Euro­pa streng kon­trol­liert. Also kei­ne Sor­ge bei der nächs­ten Kat­zen­gras­an­zucht, oder den Griff ins Blumentopferl;)

Und ein wei­te­res gelös­tes Rät­sel für die Gold­schmie­de­be­geis­ter­ten unter euch. Die­ser Löt­block den du auf der Abbil­dung siehst, besteht aus Ver­mi­cu­lit. Heu­re­ka ein wei­te­res mal!!!! Ich habe mich schon lan­ge gefragt, aus was die­ser Klotz besteht, du auch?

Lötblock aus Vermiculit. Vermiculit ist feuerfest.
Feu­er­fest ich kann es bestätigen;)

 Quellen:

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