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Kategorie: Schmuckgeschichten

Schmuckstücke erzählen
Interviews

Andreas Anhänger und die Kultur der Nazca

Vor kurzem habe ich Andrea bei einem Bloggerworkshop kennen gelernt. Sie saß mir gegenüber und trug einen kleinen runden Anhänger um den Hals und ich hatte das Gefühl, dass er ihr sehr viel bedeutet. Unbewusst, strich sie immer wieder darüber, oder hielt sich an ihm fest. In der Zwischenpause habe ich sie natürlich gefragt, welche Geschichte sie mit diesem Anhänger verbindet.

Ihre Geschichte führt uns in zwei Welten, nach Wien und den Nazca in Peru.

Andrea woher hast du den Anhänger?

Er war ein Geschenk von meiner Tante (mütterlicherseits), ich trage ihn seit 15 Jahren fast täglich. Die Tante war Kinderärztin und die Mutter eines Patienten hat ihn hergestellt und ihr übergeben. Meine Tante wusste, dass ich besondere Erinnerungen mit der Nazca-Kultur verbinde und hat mir den Anhänger weitergeschenkt.

Eigentlich hatte ich ja von meiner Tante als Taufgeschenk eine Kette mit goldenem Kreuz bekommen, es war ein Familienerbstück, das seit Generationen weitergegeben wurde. Bei mir zuhause wurde aber eingebrochen, und das Kreuz gestohlen. Es hat mir sehr viel bedeutet, und meine Tante wusste das. Darum hat sie mir auch diesen Anhänger geschenkt. Im Grunde ist es das entwendete Kreuz. Es stellt eine Verbindung zu meinen Familienwurzeln dar.

Und wie kommt es, dass du dich mit der Nazca-Kultur verbunden fühlst?

Das ist schon lange her. Mein Mann hatte in Peru ein Forschungsprojekt, und als die wissenschaftliche Arbeit dort abgeschlossen war, bin ich nachgekommen. Wir lebten auf der Forschungsstation Panguana, die von Einheimischen geführt wurde. Es ist faszinierend wie die Menschen dort, die Gabe des „Sehens“ besitzen. Sie wissen wo sich ein Tier auf einem Baum befindet, bevor man es zu Gesicht bekommt.

Für mich war das Erlebnis im peruanischen Regenwald zu sein einfach überwältigend. Die Klänge des Regenwaldes, es war eine unglaubliche Polyfonie an verschiedenen Lebewesen. In der Nähe gab es übrigens einen Teich, dort sammeln sich einmal im Jahr die Amphibien. Das Konzert war unbeschreiblich, und es war schwierig für die Wissenschaftler, den einen Frosch, über den sie arbeiteten, herauszuhören. Es ist immer etwas los, Tag und Nacht, denn es gibt dort keine Stille, sondern das pure Leben.

Wärst du gerne mal wieder dort?

Im Regenwald? Ja sofort.

Der Anhänger und seine Bedeutung

Andenkondoranhänger persönliches Schmuckstück

Der Anhänger, vermutlich ist es die Abbildung von einem Andenkondor

Wie du linksseitig siehst, hat der Anhänger ein gesprungenes Glas. Andrea hat mich deswegen gefragt, ob man ihn reparieren kann.

Der Anhänger wurde mit der Hand in Silber gefasst. Das kann man bei diesem Anhänger sehr leicht feststellen, da die Form nicht ganz rund ist und der Rand ein wenig unregelmäßig. Darin befindet sich ein Silberblatt, das in Form eines Kondors ausgesägt und auf Stoff gepresst wurde. In der peruanischen Kultur sind die Stoffe meistens aus dem Haar von Andenkamelen (Vikunja oder Alpaka), gefertigt. Der Kondor ist ein Symbol-und Wappentier der Andenländer (Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru). In der Mythologie repräsentiert er die Oberwelt und gilt als heiliges Tier.

Im Google Earth Video siehst du verschieden Tiere welche die Nazca in gigantischen Dimensionen abbildeten. Es waren Ritualwege, die immer wieder abgelaufen wurden, um die Götter gnädig zu stimmen, dadurch bildeten sich Vertiefungen die sogar aus dem Weltall sichtbar sind.

Ist es sinnvoll den Anhänger zu reparieren?

Theoretisch kann man alles reparieren. Wenn man ihn reparieren würde, müsste der Anhänger völlig auseinander genommen werden. Da es sich um eine Glasronde handelt die man nicht standardmäßig kaufen kann, oder sogar aus Bergkristall ist, müsste das Glas extra angefertigt und geschliffen werden. Die Zarge, also die Fassung, müsste völlig neu hergestellt werden. Am Ende wäre nur mehr das Inlay,  Stoff und Silberkondor, ein Original.

Ob es also sinnvoll ist den Anhänger zu reparieren, ist eine Entscheidung die nur Andrea treffen kann. Ich befürchte aber, dass der reparierte Anhänger einfach nicht mehr das Gleiche ist. Schließlich ist er seit 15 Jahren ihr ständiger Begleiter und hat ihr Leben begleitet, und zwar genauso wie er ist, mit jeder Delle und Sprung an der Oberfläche.

Und die Herstellerin des Anhängers, hat ihn nicht nur Form und Aussehen verliehen, sondern auch einen Teil ihrer Persönlichkeit und Gedanken mitgegeben. Jeder Eingriff würde dem Schmuckstück seine Identität und Geschichte rauben. Nach der Reparatur wäre er nicht mehr derselbe, und es würde sich für Andrea vermutlich fremd anfühlen und der individuellen Bedeutung beraubt.

Aus einem Anhänger mach zwei

Da ich den Anhänger genauer unter die Lupe nahm und natürlich auch die Rückseite ansah, wurde aus einem Anhänger plötzlich zwei. Denn nicht nur die Vorderseite hat ein sehr schönes Motiv, sondern auch auf der Rückseite gibt es ein Stoffinlay. Warum also nicht einfach umdrehen, und den Kondor als ein ganz persönliches geheimes Symbol für sich selbst tragen. Der Anhänger soll Andrea weiterhin beistehen und ihr ganz viel Glück und Kraft bringen.

Rückseite von Andreas Anhänger.

Die Rückseite von Andreas Nazca Anhänger

Teil der Familie – die Perlenkette meiner Großmutter

Am Tag der Beerdigung meiner Großmutter erhielt ich von meiner Tante ihre Perlenkette. Die Ringe wurden an die Männer der Familie verteilt und die Halsketten an die Frauen.  Ich habe sehr wenige Fotos von meiner Großmutter aus ihrer Jugendzeit, aber auf einem Bild trug sie dieses Schmuckstück. Für mich war der Erhalt der Kette viel mehr als ein Erbstück, oder eine Erinnerung an sie.  Es bedeutete, dass ich Teil der Familie war.

Du wirst dir vielleicht denken, das ist doch selbstverständlich, aber ich habe einen Großteil meiner Familie erst sehr spät kennen gelernt. Meinen Vater mit 17 Jahren und meine Großeltern als ich zirka 19 Jahre alt war. Soweit ich mich erinnern kann waren beide schon fast 80 Jahre alt, und es war damals noch wichtiger für mich, erst mal meinen Vater kennen zu lernen. Mit meiner Großmutter hatte ich sehr schnell eine innere Verbindung, aber viel zum Reden kamen wir nicht. Wir führten Briefkontakt, da sie in Deutschland lebte und ich in Österreich. Es war leider nicht mehr möglich mich intensiv mit ihr zu unterhalten, und mit meinem Großvater kam es zu gar keinem persönlichen Gespräch. Wie es im Alter oft so ist, zehrten bereits Krankheiten an ihrer Konstitution. Und ich selbst hatte erst mal damit zu tun meinen Vater, Halbbruder, Tante und Onkel kennen zu lernen. Ich hatte große Schwierigkeiten, das Gefühl zu entwickeln, angenommen zu werden, obwohl das nichts mit ihnen, oder ihrem Verhalten mir gegenüber, zu tun hatte. Inzwischen habe ich damit keine Probleme mehr und fühle mich als Teil der Familie. Die Perlenkette wurde für mich zu einem Symbol, das zu mir  sagt, „ du bist Teil von uns“.

Die Perlenkette meiner Großmutter, Schmuckgeschichten

das Foto ist eine Fotokopie, daher ein wenig unscharf, aber darauf trägt sie die Perlenkette.

Hast du auch ein Schmuckstück, dass dir viel bedeutet? Ich finde es sehr spannend andere Geschichten zu hören, und was dich mit deinem persönlichen Schmuckstück verbindet.

Schreib mir einfach! 🙂