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Kategorie: Schmuck Geschichten

Koru. Gruß aus Neuseeland

Kia ora! Hallo! in Māori! Dieser Anhänger, mit dem Symbol Koru  fand den Weg zu mir.

Eine Freundin, die ich an der Universität kennen lernte, hat ihn mir geschenkt. Wie so oft studierten wir viele Jahre nebeneinander her, saßen in den gleichen Klassen, und trotzdem ergab sich kaum ein Gespräch. Erst gegen Ende der Studienzeit lernten wir einander besser kennen und wir wurden Freunde.  Nach dem Studium blieb sie noch einige Zeit in Wien, schließlich entschloss sie sich zu ihrer Familie nach Neuseeland zu ziehen. Seitdem, das  ist jetzt acht Jahre her, haben wir uns nicht mehr getroffen, stehen aber dank des WWW weiter in Kontakt.

Manche Freundschaften halten über Kontinente hinweg. Das liebe ich so am Internet! Man kann sich in Echtzeit unterhalten und sehen. Trotzdem ist ein Päckchen dann noch mal etwas ganz besonderes, vor allem wenn es aus Neuseeland kommt.

Da ich mich so gerne mit Schmuck beschäftige, schauen wir uns den Anhänger einmal genauer an.

Koru,  der eingerollte Siberfarn

Der Schmuckanhänger symbolisiert, man könnte sagen, die nationale Seele Neuseelands. Die spiralartige Form stellt ein eingerolltes Farnblatt dar und ist tief mit der Māori Kultur verbunden. Das Symbol ist nicht allein Dekoration, sondern immer auch Teil der Stammesgeschichte.

Koru als national-kulturelles Symbol

In Neuseeland ist man bestrebt, sich für die früheren Verbrechen der Kolonialisierung  wie Landenteignung und “Zwangseuropäisierung” zu entschuldigen.  Bis heute sind die Narben der kulturellen Enteignung in Neuseeland sichtbar und wirken sich negativ auf die Māori aus. Reparationszahlungen und die Bemühung, den Māori und ihrer Kultur einen ebenbürtigen Platz in der neuseeländischen Gesellschaft der Gegenwart zu geben, indem ihr kulturelles Erbe für alle geöffnet wird, sind weitere Versuche, um die Traditionen am Leben zu erhalten. So wurde die Bedeutung von Koru erweitert. Es soll eine Brücke zwischen den Maori und den Einwandern Neuseelands schlagen und eine neue national-kulturelle Einheit ermöglichen.

Koru für Werbung und Tourismus

Das Symbol Koru findet sich, mehr oder weniger abstrahiert, überall in Neuseeland. Sobald du mit der Air New Zealand fliegst, siehst du es am Heck. Zahlreiche Firmen verwenden das Symbol als Logo und machen damit Werbung.  Die Kultur der Māori, ist neben der Schönheit der Natur (koru) auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor Neuseelands. Denn was wäre der Landestourismus ohne eine Haka Vorführung, oder die außergewöhnlichen Schnitzereien und Tätowierungen.

 

Wenn du dich mit der Maori Kultur beschäftigst, wird dir Koru an Gebäuden, Waffen, Werkzeuge, Kanus, Schmuck in geschnitzter, gemalter oder tätowierter Form begegnen.

Koru Bedeutungen

  • Erneuerung und Wiedergeburt
  • der ewige Kreislauf
  • zurück zum Ursprung
  • das Leben verändert sich und bleibt doch gleich
  • Schönheit der Natur
  • Wachstum und neuer Weg

Koru Verwendung

  • kulturelles Symbol (Koexistenz von Maori  und “Nichtmaori”)
  • Festigung  der Landesidentität
  • Kunsthandwerk, Dekoration
  • Bewahrung der Geschichte und Erzählmittel
  • Tourismus und Werbung

Ein Anhänger aus Muschel und Knochen

Koru Anhänger Neuseeland

Sehen wir uns das Material genauer an. Traditionell wurden Māori Anhänger aus Neuseeland Jade (Nephrit Jade) , Walknochen, Perlmutt oder Holz hergestellt. Statt Walknochen wird meistens Rinderknochen, aber auch Hirschhorn verwendet. Bei diesem Anhänger wurde Rinderknochen, der zuvor mit Wasserstoffperoxid gebleicht und entfettet wurde, verwendet.

Bei einem bräunlichen Ton werden die Stücke geräuchert, oder in schwarzem Tee getränkt.

 

Die Paua “Muschel”

Das Auge des Koru Anhängers besteht aus der Paua Muschel, die auch  Mehrohr, Abalone,  “Opal des Meeres” bzw. Regenbogen-Abalone genannt wird.

Die Paua Muschel ist in Wahrheit keine Muschel, sondern eine Schnecke, und wird vor der Küste Australiens, Japans, Taiwans, Chinas und Neuseelands gezüchtet. Sie wird bis zu 30cm lang und gerne als teure Delikatesse verspeist.

Die Oberfläche der Schnecke ist eigentlich pink, erst durch das Abtragen der äußeren Schicht wird sie rundum kunterbunt.

Achtung Staub!

Falls du selbst auf die Idee kommen solltest, dir einen Anhänger aus den genannten Materialien zu schnitzen, solltest du immer darauf achten einen ausreichenden Atemschutz zu tragen. Perlmutt, als auch Knochenstäube, können zu einer Staublunge (Silikose) und möglicherweise zu allergischen Reaktionen führen. Da es online auch Berichte darüber gibt, dass möglicherweise schwere bakterielle und virale Erkrankungen, wie BSE übertragen werden können, habe ich bei der deutschen Lungenstiftung nachgefragt.

Prof. Dr. T.O.F. Wagner:

“obwohl Muschelschalen und Perlmutt nicht nur Kalk enthalten, sondern auch organisches Material, und viele Berichte über damit verbundene Krankheiten kursieren, gibt es keine sicheren Belege für die Übertragung von infektiösen Erkrankungen durch solche Stäube.”

 

Mehr Schmuck Wissen und spannende Geschichten. Mein Newsletter sagt “Hello! Kia ora!

Und guten Start ins neue Jahr!

Briefe aus dem Ashram. Diamantschleiferei in Auroville

Es ist immer wieder spannend, wenn meine Mutter mir etwas aus ihrer Jugendzeit erzählt. Seitdem ich diesen Schmuckblog gegründet habe, und mich mit Menschen und ihren Geschichten beschäftige, werden auch bei ihr frühere Erlebnisse wach.

Ein Stück aus ihrer Vergangenheit sind diese Briefe, die sie seit 38 Jahren aufbewahrt. Es sind Nachrichten einer Freundin, die sich auf den Weg nach Indien machte, und in einem Ashram, ein Zentrum der spirituellen Findung lebte. Ashram bedeutet übersetzt, ein „Ort der Anstrengung”.

Namaste!

Namaste kommt aus dem Sanskrit, “nam” für “sich verneigen” und ist ein Zeichen höchsten Respekts. Der Gruß Namaste hat die ungefähre Bedeutung: “Ich beuge mich vor dem Göttlichen in dir oder “Du und ich, wir sind eins”.

Meine Seele grüßt die Deine Seele. 

Brief. Diamanten in Auroville, Namaste

Auroville 1.10.1979

Eine frühere Freundin meiner Mutter schrieb ihr:

  1. Nach 4 Wochen Indien kann ich endlich mal meine Gedanken sammeln und schreiben. Von Dehli bin ich weitergefahren nach Benaves. Dann weiter nach Calcutta, Machra  und jetzt bin ich schon gut 2 Wochen hier in Auroville –Hope (Community). Wohne in einem netten Kleinen Haus und arbeite mit anderen Aurovillianern zusammen. Indien ist wie schon einmal erlebt  ein Kulturschock, doch unheimlich schön.

Kathmandu, 18.5.1980

2. Wie du siehst liebe I. bin ich in Kathmandu/Nepal gelandet doch nur für kurze Zeit, denn Nepal ist schön und gut wenn man entweder Trekking macht oder Haschisch raucht und da ich keines von beiden tue so muss ich mich denn meinen Aufgaben zuwenden und zurück nach Indien gehen. Ich kann einfach nicht mehr so in den Tag hinein leben das lässt mein Yogaweg nicht zu. Ich lebe total allein, zurückgezogen und mich auf den Sinn des Lebens zu konzentrieren und auf meine Aufgaben die mir bevorstehen. 

Nach einem Jahr Trekking und Indien, kehrte sie zurück nach Auroville.

Brief: Auroville 3.11.1980

3. Liebe I., bin wieder nach hause zurück gekehrt für immer (wer weiß…..) lebe hier mit M.  in auroville-certitude. Momentan stellen wir Diamantwerkzeuge für die Industrie her und werden sobald wir ein schönes Stück Land gefunden haben mit Landwirtschaft anfangen, Workshops, Unterricht erteilen, Bäume pflanzen usw. es ist sehr schön hier zu leben und für das göttliche zu arbeiten.

 

Der Originalbrief liebevoll mit getrockneten Blättern verziert.

Moment mal, Diamantwerkzeug?

Was hat ein Ashram mit der Diamantindustrie zu tun

Warte, warte, zuerst ein Mal: 

Was und wo ist Auroville?

Wo lässt sich schnell erklären. Auroville befindet sich in Indien und Google Maps zeigt dir ganz genau wo;)

Für mich ist es Neuland und gerade das macht es ja so interessant. In Indien befindet sich die älteste Schleifindustrie der Welt, daher ist es gar nicht abwegig, dass sich auch ein Ashram damit teilfinanziert.

  • Die Kolonie wurde 1967 von dem Philosoph und Yogi Sri Aurobindo gegründet. Den organisatorischen Part übernahm eine Französin, die von den Bewohnern auch Mutter genannt wurde. Die Gemeinschaft hatte das Ziel 50 000 Leute zu beherbergen und einen geschlossenen ökologischen Kreislauf ins Leben zu rufen. Wie du siehst, ist die Idee bis heute modern und aktueller den je.
  • Auroville existiert bis heute, aber die Gemeinschaft hat es nie geschafft, über die 5000 Mitglieder hinauszuwachsen. Es hätte Platz, denn Auroville verfügt über 1200 Hektar Land, das in 80 Communities unterteilt wurde.  Sie tragen schöne Namen wie Acceptance, Simplicity, Grace, Certitude, oder eben auch Hope, wie es die Freundin meiner Mutter schrieb.
  • In den 70er Jahren war es eine Kolonie für Aussteiger aus Europa. Geld war zu Beginn reichlich vorhanden. Die Kolonie wurde von der WHO, UNESCO, EWG und reichen Spendern unterstützt. Inzwischen sieht das anders aus. Die fleißigsten Spender sind Inder aus dem Silicon Valley und Auroville ist zu einem Touristenziel für Blogger und Foodies geworden. Das bringt zwar Geld aber nicht unbedingt Gemeinschaft und echtes Wachstum.

Realität in Auroville

  • Auroville ist auf Autarkie ausgerichtet, kann aber ohne oftmaligen Lebensmittelzukauf, als auch Export von Gütern nicht überleben. Vor allem Organisationsprobleme machen der Gemeinschaft immer wieder zu schaffen.
  • In den 70er Jahren gehörten sie zu den Pionieren, die versuchten, mit der Erde zu leben, anstatt gegen sie zu wirken. Solarenergie, Windräder, Bepflanzung, eigener Ackerbau. Jeder in Auroville ist verpflichtet mitzuarbeiten und die Bewährungsfrist um endgültig aufgenommen zu werden beträgt zwei Jahre. Jeder? Es gibt es auch die reichen Großspender, die sich diesem Prozedere nicht unterzuordnen habe. Diese kaufen sich sozusagen von Arbeit “frei”. Wie du siehst, ist es dann doch nicht so utopisch, wie es zu Beginn scheinen mag.
  • Ohne die günstige Arbeitskraft der heimischen Bevölkerung könnte Auroville nicht existieren. Eigentlich war geplant eine gemeinsame Oase zu erschaffen, inzwischen ist es eine Co-Existenz, von der zwar beide Seiten existieren, aber es auch zu einer gesellschaftlichen Trennung kommt. Ein Einheimischer äußert sich treffend dazu:

Sie leben ihr Leben, wir unseres. 

Wie kam Auroville zu den Diamanten?

Im Brief ist von der Herstellung von Diamantwerkzeug die Rede, das setzt voraus, dass eine Schleiferei in der Nähe existiert, denn Diamantstaub ist ein Abfallprodukt der Diamantschleifindustrie. Diamant schleift Diamant, deshalb kann der Diamantstaub gleich wiederverwendet werden. Der Staub, der dabei entsteht, wird Bort genannt. Daraus wird beispielsweise eine Paste gefertigt, die auf Schleifräder oder für die Politur von Edelsteinen aufgetragen wird.

Das Diamantwerkzeug, ob Feilen oder Bohrer, die du im Handel erhältst, bestehen zum Großteil aus synthetischem Diamant. Synthetischer Diamant ist immer noch preisgünstiger als natürlich gewachsene Diamanten.

Es gibt aber auch Werkzeug, in dem natürlicher Diamant zugesetzt wird, insbesondere da der Großteil der Diamanten sich nicht zum Verschleifen eignet, mangels Qualitätsanforderungen.

Die Diamantschleiferei in Auroville

1981 wurde von Michael Bonke das Unternehmen Aditi Diamanten gegründet und befindet sich bis heute im Privateigentum. Es handelt sich um eine Tochtergesellschaft der Diamantschleiferei. Die Diamanten können zu Großhandelspreisen in Antwerpen bezogen werden. Der weltweite Diamanthandel wird von der Group De Beers kontrolliert. In Antwerpen befindet sich die wichtigste Diamantbörse, und das Diamantunternehmen von Auroville ist eines von zwei deutschen Unternehmen welches direkten Zugang dazu besitzt. Sogar ein eigenes Büro wird dort unterhalten. Die Verkaufsabteilung findet sich in Deggendorf (Deutschland). Dort wird selbst Schmuck mit den hauseigen geschliffenen Diamanten hergestellt. Zusätzlich werden Schmuckfabriken in Hongkong und Bangkok geführt. Ein weiteres Luxusprodukt, welches vertrieben wird, sind Perlen aus aller Welt. Die Kunden stammen vor allem aus Kuwait. Lediglich 10 % der geschliffenen Diamanten werden an den europäischen Markt geliefert.

Geht ein Diamant in der Schleiferei verloren

So weit ich den Unterlagen des Unternehmens entnehmen konnte, besteht die Belegschaft in Auroville aus indischen Arbeitern und Arbeiterinnen. Insbesondere auf ein diszipliniertes Arbeitsverhältnis wird Augenmerk gelegt. Schließlich führt jeder kleine Fehler schnell einmal zu erheblichen finanziellen Einbußen. 135 Mitarbeiter produzieren am Tag 1000 geschliffene Diamanten. Gerade die Arbeiter im Edelsteinsektor werden oft streng überwacht, auch hier ist es nicht anders. Sich einfach einen Diamanten in die Tasche zu stecken ist nicht. Wenn der Diamant aus Versehen verloren geht, zum Beispiel wenn er bei der Politur weggeschleudert wird, muss so lange vom Mitarbeiter gesucht werden, bis er wieder gefunden ist. Der Mitarbeiter wird sozusagen unter Hausarrest gestellt.

CO2 Abdruck eines Diamanten

  • laut des Unternehmens benötigt die Herstellung eines Neuwagens 6-35 Tonnen CO2 und der Bau eines mittleren Hauses 80 Tonnen CO2. Das betrifft lediglich die Herstellung weitere CO2 Emissionen sind noch gar nicht miteinbezogen.
  • Ein bis mehrere Diamanten im Verkaufswert von 40 000 Euro  benötigen eine Tonne CO2 Von der Förderung in der Miene bis hin zur Politur.

Zurück zur Verfasserin der Briefe.

Was wurde aus der Freundin?

Der Traum vom Ashram in Auroville hielt nicht ewig. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, kehrte sie nach einigen Jahren zurück nach Deutschland. Wie so oft im Leben, trennten sich die Lebenswege der beiden. Wer weiß, vielleicht leuchtet ein Diamant eines Tages den Weg und bricht Licht ins Dunkel;)

 

 

 

Shine bright like a diamond

 

 

 

 

 

weitere Infos:

  • Bericht eines Reporters über Auroville: https://www.merian.de/asien/indien/artikel/himmel-hinter-stacheldraht-in-auroville
  • Dokumentation: https://www.spiegel.tv/videos/1296416-utopie-stadt-auroville

Quellen:

  • https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2001/aufbruch/alltag-im-paradies
  • http://www.michaelbonke.com/uploads/diamond-factory-en.pdf
  • http://varuna.org.in/ecology/carbon-footprint-of-a-diamond

 

Lindas Talisman- GriGri aus Senegal

Ich kenne Linda schon einige Jahre. Sie ist eine begabte Modedesignern und führt den Fashionstore Artup, Nähe Stephansplatz in Wien. Als ich ihr von meinem neuen Projekt erzählte, über Menschen und ihre Schmuckgeschichten zu schreiben, fiel ihr sofort ein Schmuckstück ein, an das sie schon lange nicht mehr gedacht hatte, aber ihr sehr viel bedeutet.

Linda: Es ist ein Halsschmuck, den ich viele Jahre nicht mehr getragen habe. Irgendwann legte ich ihn ab, und seitdem habe ich nicht mehr daran gedacht. Bis zu diesem Moment.

Vor einigen Jahren war ich bei einem Tanzkurs. Irgendwie kamen wir mit unserem afrikanischen Lehrer zu sprechen, wie fantastisch es wäre, einen Workshop in seinem Heimatland zu besuchen. Wir waren alle Feuer und Flamme für die Idee und er arrangierte die Reise für uns alle.  Ungefähr ein Jahr später, fuhren wir, eine Gruppe von sechzehn Leuten, nach Senegal. Zuerst flogen wir nach Dakar. Dann ging es weiter mit dem Bus, neun Stunden lang.

Ich dachte, wir würden in einem Hotel übernachten, aber alles war dann ein wenig anders als gedacht. Es gab drei Nägel in der Wand, unverputzte Backsteinwände und eine Matratze. Luxus gab es nicht, aber das war völlig egal. Es wurde der beste Urlaub den ich je hatte. Ich denke immer noch mit viel Freude daran.

Wir waren zu einem großen Ereignis eingeladen. Unser Tanzlehrer wurde mit  5 Jahren beschnitten. 15-20 Jahre später, wurde dieses Fest, als Erinnerung daran, gefeiert, und wir durften mit dabei sein. Die Leute kamen von überall her. Zum Beispiel studierten einige Männer in Frankreich, aber für das Fest, reisten sie nachhause. Alle treffen sich zu diesem Ereignis wieder. Es war faszinierend zu sehen, wie verschiedene Welten aufeinander treffen. Die Männer kommen in Sneakers und sind modern gekleidet, während der andere Teil traditionelle und festliche Gewänder trug. Tradition und Moderne, Zeit und Raum, überschnitten sich, ein richtiger „culture mix“. Und Mitten in alldem waren wir.

Etwas was ich nie wieder vergessen werde, war der Besuch bei einem Medizinmann.  Ein Termin wurde vereinbart. Zwei Tage später wurde ich zu einem Zelt gebracht, indem die Zeremonie abgehalten wurde. Der Medizinmann köpfte ein Huhn und ließ das Blut in die Schale laufen. Er schnitt mir ein paar Haare ab, und sie wurden zum Blut dazu gegeben. Während der Zeremonie, sollte ich mir meine Wünsche vor Augen halten. Die Haare, und andere Zutaten wurden über ein kleines hohles Horn gestreut, das all meine Wünsche in sich sammeln sollte. Magische Sprüche und Musik begleiteten das Ritual.  Schließlich wurde das Horn mit einem Wachs versiegelt. Bei der endgültigen Fertigstellung des Schmuckstücks war ich nicht dabei. Ich erhielt es erst einige Zeit später.

Wie Linda mir erzählte ist es ein GriGri. Ein Talisman, der positive Energien bündelt und anzieht. Es soll vor dem Bösen schützen und Wünsche erfüllen.

Linda erzählte weiter: Als ich das GriGri erhielt, legte ich es sofort an, und trug es täglich viele Jahre. Ich nahm es nur ab, wenn ich schlafen ging.  Bis heute bedeutet mir der Talisman sehr viel und er erinnert mich an diese wunderbare Zeit.

GriGri aus Senegal getragen

Linda trägt ab jetzt wieder ihren Talisman.

Jetzt wollte ich natürlich den Talisman sehen. Linda hat sich auf die Suche danach gemacht, und genau an dem Ort gefunden, wo sie ihn als erstes vermutet hatte.

Bevor sie mir ihre Schmuckgeschichte erzählte, hatte ich noch nie von einem GriGri gehört? Umso spannender ist es, mehr darüber zu erfahren.

 

Lindas Talisman- GriGri aus Senegal (GrisGris)

Kletterst du gerne? Falls ja, dann hast du das Wort vielleicht schon einmal gehört. Der Erfinder eines Sicherungsgerätes  gab ihm den gleichen Namen, und verweist auf seine Funktion als Talisman.

Ein Talisman ist ein Gegenstand, der Glück bringen, und beschützen soll. Er kann am Körper getragen, aber auch irgendwo an einem Ort platziert werden.

Der Wortursprung GriGri ist nicht sicher belegt, vermutlich ist es ein westafrikanischer Begriff, der sich von  „juju“, was so viel wie „fetisch“ bedeutet, ableitet.  Die ersten GriGris waren kleine Puppen, und stellten Abbilder von Göttern dar. Das GriGri war eng mit der islamischen Tradition verbunden. Beliebt sind beispielsweise kleine Lederbeutel.  Darin befindet sich ein Zettel auf dem religiöse, oder magische Sprüche geschrieben werden. Sie sollen den Teufel und Unglück fern halten. Das GriGri gehört zur afrikanischen Kultur. Es ist weit verbreitet und wird von allen getragen. Egal ob, gläubig oder ungläubig, Mann oder Frau, arm oder reich.

Im Video siehst du wie ein GriGri hergestellt wird. Das Leder wird leicht eingekerbt und bekommt so seine Musterung. Auch Lindas GriGri hat eine ähnliche Zeichnung erhalten. Dabei wird die Messerklinge eingefettet, damit es leichter über das Leder gleiten kann.

Sehen wir uns Lindas GriGri etwas genauer an:

Das Horn stammt sehr wahrscheinlich von einer Antilope. Es ist das Endstück des Horns und ein Ledermantel umschließt es. Das Leder könnte auch ein Stück Darm sein, das langsam getrocknet ist, und sich so enger um das Horn schloss, denn die elastisch wirkenden Knoten, an denen das Band befestigt ist, lassen mich darauf schließen. Leichte Einkerbungen, in Form von Punkten und Strichen, die sicher ein weiteres magisches Element sind, verzieren das GriGri.

Talisman, Glücksbringer aus Senegal

Nahaufnahme GriGri

 

Kaum getragen, hat das GriGri bei Linda bereits positive Energien entfaltet. Sie möchte wieder in den Tanzunterricht gehen 🙂

Das nächste Mal, werde ich die Geschichte der afrikanischen Talismane genauer beleuchten. Du wirst mehr über Wrestler aus Afrika und die Voodoo Kultur in Louisiana erfahren.

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(Werbung: unbezahlte Markennennung)

Andreas Anhänger und die Kultur der Nazca

Vor kurzem habe ich Andrea bei einem Bloggerworkshop kennen gelernt. Sie saß mir gegenüber und trug einen kleinen runden Anhänger um den Hals und ich hatte das Gefühl, dass er ihr sehr viel bedeutet. Unbewusst, strich sie immer wieder darüber, oder hielt sich an ihm fest. In der Zwischenpause habe ich sie natürlich gefragt, welche Geschichte sie mit diesem Anhänger verbindet.

Ihre Geschichte führt uns in zwei Welten, nach Wien und den Nazca in Peru.

Andrea woher hast du den Anhänger?

Er war ein Geschenk von meiner Tante (mütterlicherseits), ich trage ihn seit 15 Jahren fast täglich. Die Tante war Kinderärztin und die Mutter eines Patienten hat ihn hergestellt und ihr übergeben. Meine Tante wusste, dass ich besondere Erinnerungen mit der Nazca-Kultur verbinde und hat mir den Anhänger weitergeschenkt.

Eigentlich hatte ich ja von meiner Tante als Taufgeschenk eine Kette mit goldenem Kreuz bekommen, es war ein Familienerbstück, das seit Generationen weitergegeben wurde. Bei mir zuhause wurde aber eingebrochen, und das Kreuz gestohlen. Es hat mir sehr viel bedeutet, und meine Tante wusste das. Darum hat sie mir auch diesen Anhänger geschenkt. Im Grunde ist es das entwendete Kreuz. Es stellt eine Verbindung zu meinen Familienwurzeln dar.

Und wie kommt es, dass du dich mit der Nazca-Kultur verbunden fühlst?

Das ist schon lange her. Mein Mann hatte in Peru ein Forschungsprojekt, und als die wissenschaftliche Arbeit dort abgeschlossen war, bin ich nachgekommen. Wir lebten auf der Forschungsstation Panguana, die von Einheimischen geführt wurde. Es ist faszinierend wie die Menschen dort, die Gabe des „Sehens“ besitzen. Sie wissen wo sich ein Tier auf einem Baum befindet, bevor man es zu Gesicht bekommt.

Für mich war das Erlebnis im peruanischen Regenwald zu sein einfach überwältigend. Die Klänge des Regenwaldes, es war eine unglaubliche Polyfonie an verschiedenen Lebewesen. In der Nähe gab es übrigens einen Teich, dort sammeln sich einmal im Jahr die Amphibien. Das Konzert war unbeschreiblich, und es war schwierig für die Wissenschaftler, den einen Frosch, über den sie arbeiteten, herauszuhören. Es ist immer etwas los, Tag und Nacht, denn es gibt dort keine Stille, sondern das pure Leben.

Wärst du gerne mal wieder dort?

Im Regenwald? Ja sofort.

Der Anhänger und seine Bedeutung

Andenkondoranhänger persönliches Schmuckstück

Der Anhänger, vermutlich ist es die Abbildung von einem Andenkondor

Wie du linksseitig siehst, hat der Anhänger ein gesprungenes Glas. Andrea hat mich deswegen gefragt, ob man ihn reparieren kann.

Der Anhänger wurde mit der Hand in Silber gefasst. Das kann man bei diesem Anhänger sehr leicht feststellen, da die Form nicht ganz rund ist und der Rand ein wenig unregelmäßig. Darin befindet sich ein Silberblatt, das in Form eines Kondors ausgesägt und auf Stoff gepresst wurde. In der peruanischen Kultur sind die Stoffe meistens aus dem Haar von Andenkamelen (Vikunja oder Alpaka), gefertigt. Der Kondor ist ein Symbol-und Wappentier der Andenländer (Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru). In der Mythologie repräsentiert er die Oberwelt und gilt als heiliges Tier.

Im Google Earth Video siehst du verschieden Tiere welche die Nazca in gigantischen Dimensionen abbildeten. Es waren Ritualwege, die immer wieder abgelaufen wurden, um die Götter gnädig zu stimmen, dadurch bildeten sich Vertiefungen die sogar aus dem Weltall sichtbar sind.

Ist es sinnvoll den Anhänger zu reparieren?

Theoretisch kann man alles reparieren. Wenn man ihn reparieren würde, müsste der Anhänger völlig auseinander genommen werden. Da es sich um eine Glasronde handelt die man nicht standardmäßig kaufen kann, oder sogar aus Bergkristall ist, müsste das Glas extra angefertigt und geschliffen werden. Die Zarge, also die Fassung, müsste völlig neu hergestellt werden. Am Ende wäre nur mehr das Inlay,  Stoff und Silberkondor, ein Original.

Ob es also sinnvoll ist den Anhänger zu reparieren, ist eine Entscheidung die nur Andrea treffen kann. Ich befürchte aber, dass der reparierte Anhänger einfach nicht mehr das Gleiche ist. Schließlich ist er seit 15 Jahren ihr ständiger Begleiter und hat ihr Leben begleitet, und zwar genauso wie er ist, mit jeder Delle und Sprung an der Oberfläche.

Und die Herstellerin des Anhängers, hat ihn nicht nur Form und Aussehen verliehen, sondern auch einen Teil ihrer Persönlichkeit und Gedanken mitgegeben. Jeder Eingriff würde dem Schmuckstück seine Identität und Geschichte rauben. Nach der Reparatur wäre er nicht mehr derselbe, und es würde sich für Andrea vermutlich fremd anfühlen und der individuellen Bedeutung beraubt.

Aus einem Anhänger mach zwei

Da ich den Anhänger genauer unter die Lupe nahm und natürlich auch die Rückseite ansah, wurde aus einem Anhänger plötzlich zwei. Denn nicht nur die Vorderseite hat ein sehr schönes Motiv, sondern auch auf der Rückseite gibt es ein Stoffinlay. Warum also nicht einfach umdrehen, und den Kondor als ein ganz persönliches geheimes Symbol für sich selbst tragen. Der Anhänger soll Andrea weiterhin beistehen und ihr ganz viel Glück und Kraft bringen.

Rückseite von Andreas Anhänger.

Die Rückseite von Andreas Nazca Anhänger

Teil der Familie – die Perlenkette meiner Großmutter

Am Tag der Beerdigung meiner Großmutter erhielt ich von meiner Tante ihre Perlenkette. Die Ringe wurden an die Männer der Familie verteilt und die Halsketten an die Frauen.  Ich habe sehr wenige Fotos von meiner Großmutter aus ihrer Jugendzeit, aber auf einem Bild trug sie dieses Schmuckstück. Für mich war der Erhalt der Kette viel mehr als ein Erbstück, oder eine Erinnerung an sie.  Es bedeutete, dass ich Teil der Familie war.

Du wirst dir vielleicht denken, das ist doch selbstverständlich, aber ich habe einen Großteil meiner Familie erst sehr spät kennen gelernt. Meinen Vater mit 17 Jahren und meine Großeltern als ich zirka 19 Jahre alt war. Soweit ich mich erinnern kann waren beide schon fast 80 Jahre alt, und es war damals noch wichtiger für mich, erst mal meinen Vater kennen zu lernen. Mit meiner Großmutter hatte ich sehr schnell eine innere Verbindung, aber viel zum Reden kamen wir nicht. Wir führten Briefkontakt, da sie in Deutschland lebte und ich in Österreich. Es war leider nicht mehr möglich mich intensiv mit ihr zu unterhalten, und mit meinem Großvater kam es zu gar keinem persönlichen Gespräch. Wie es im Alter oft so ist, zehrten bereits Krankheiten an ihrer Konstitution. Und ich selbst hatte erst mal damit zu tun meinen Vater, Halbbruder, Tante und Onkel kennen zu lernen. Ich hatte große Schwierigkeiten, das Gefühl zu entwickeln, angenommen zu werden, obwohl das nichts mit ihnen, oder ihrem Verhalten mir gegenüber, zu tun hatte. Inzwischen habe ich damit keine Probleme mehr und fühle mich als Teil der Familie. Die Perlenkette wurde für mich zu einem Symbol, das zu mir  sagt, „ du bist Teil von uns“.

Die Perlenkette meiner Großmutter, Schmuckgeschichten

das Foto ist eine Fotokopie, daher ein wenig unscharf, aber darauf trägt sie die Perlenkette.

Hast du auch ein Schmuckstück, dass dir viel bedeutet? Ich finde es sehr spannend andere Geschichten zu hören, und was dich mit deinem persönlichen Schmuckstück verbindet.

Schreib mir einfach! 🙂