Für mich war Schmuck immer etwas das “schmückt”, bzw. verschönert , bis ich begann genauer hinzusehen.

Und was machen die meisten, wenn wir nach einer schnellen Definition suchen? Wir googeln!

Definition Schmuck, wir wollen es genau wissen

Google sagt das, was sich mit meiner und vermutlich auch mit deiner Vorstellung  über Schmuck deckt.

Schmuck ist:„Alles, was Personen und Dinge schöner macht.“  Gleich darauf findet sich der Beispielsatz: ‚Ihr ganzer Schmuck sind ihre wundervollen Haare.‘

Moment mal! Das heißt also, dass es sich nicht nur um Ringe, Halsketten, Ohrringe und andere dingliche Schmuckstücke handelt, sondern, dass so gut wie alles Schmuck sein kann.

Weiten wir aus, als nächstes ist Wiki an der Reihe, denn auch wir wollen ein A-HA Erlebnis!

WIKI spricht: „Schmuck ist ein Ziergegenstand oder eine Maßnahme zur Verschönerung. Der Begriff hat eine weitere und eine engere Bedeutung.“

Schmuck ist also auch jede Form von Verzierung und Bemalung, um die Optik von Menschen, Dingen, und Räumen aufzuwerten.

Welcher Schmuck als “schön” empfunden wird, ist eine persönliche Präferenz, die aber zum Großteil durch gemeinsam etablierte kulturelle Vorstellungen geprägt ist. So kann Schmuck genauso durchbohrte Ohren, Lippen und Brustwarzen sein, künstlich herbeigeführte Narbenbildung (Skarifizierung), Lotusfüße, Tätowierungen, Schminke, lange Fingernägel, verzierte Kleidung, dick oder dünn, bis hin zur schönen Tapete an der Wand, oder Nippes am Kasten.

Die Definition, dass Schmuck aufwertet, ist zwar schlüssig, aber Schmuck kann noch viel mehr als nur zu verzieren und verschönern.

Begriff Schmuck. Die Wortherkunft

Das Wort Schmuck stammt vermutlich aus dem 16. Jahrhundert und entstand aus dem mittelniederdeutschen Begriff  “smuk” der so viel wie „prächtige Kleidung“ übersetzt heißt. Eine ältere Bezeichnung findet sich im jiddischen, “tsirung” ( צירונג ), darin hört man bereits das Wort “Zierrat” heraus, dass auch im Deutschen geläufig ist. Im Niederländischen heißt Schmuck “sierrad”. All diese Begriffe drücken wieder das Schmückende und Schöne aus. Aber das Wort Schmuck kann auch anders, denn es ist je nach kulturellen Gebrauch wie Licht und Schatten.

So bedeutet das Wort “Schmuck”, im US-Slang, Idiot, oder Trottel. Der Begriff leitet sich vom jiddischen Begriff “Schmock” ab.  Ein Schmock ist wieder rum ein meist unangenehmer Mann gehobener Gesellschaft oder eine Person ohne jegliche politische Überzeugung.  Der Begriff “Schmock” wurde auch im Sinne von “leeres, geschwollenes Gerede” verwendet.“

Das jüdische Wort “Schmock” wurde in den USA zu “Schmuck” und ist negativ behaftet.  Obwohl der “Schmuck Begriff” im Deutschen etymologisch mit dem US-Begriff “Schmuck” keinerlei Verbindung hat.  Im Jüdischen kann “Schmuck” übrigens noch mehr bedeuten. Dieser “Schmuck” Begriff leitet sich vermutlich vom ostjüdischen Wort “shmok” ab und bedeutet so viel wie “beschnittener Penis ” bis hin vulgär “Schwanz”. Ja, das war jetzt nicht jugendfrei:)

Schmuck, Zierrat, Ornament

Schmuck und Zierde sind auch Ornament. Es leitet sich aus dem lateinischen “ornamentum” ab und heißt “Ausrüstung”. 

Und jetzt sind wir bei einer völlig anderen Bestimmung des Schmucks, als lediglich zur Zierde, wir sind beim Kriegsinstrument.

Denn Schmuck, hat eine Vielzahl an gesellschaftlichen Aufgaben zu erfüllen. 

Schmuck kann:

1.magisch und religiös sein

Er kann Schutz- und Abwehr bieten, Fluch und Segen sein, Kraft und Mut schenken

Beispielsweise ein Talisman, der vor dem bösen  Blick schützt, oder in bestimmten Lebenslagen unterstützen soll.  Gebetsketten in verschiedenen Kulturen.

2. individuell verschönern, aber auch kulturellen Schönheitsidealen entsprechen 

Ich kaufe mir etwas, weil es mir einfach nur gefällt, um mich schöner bzw. auch besser zu fühlen. Bestimmte Haarfarbe, Schminke und körperliche Merkmale.

3. Zahlungsmittel und Kapitalanlage sein.

In Notzeiten und auf der Flucht als Kapitalanlage, aber auch als Mitgift, in Ländern in denen Frauen nicht erbberechtigt sind.

goldener Armreif

goldener Armreif, Beispiel Brautschmuck.

4.Sozial auf-oder abwerten und ausgrenzen, Zugehörigkeit oder Ausschluss sein

Indem man einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht oder Vereinigung angehört. Militärorden, studentische Verbindungen, Statussymbole um zu verdeutlichen man gehört einer wohlhabenden Gesellschaftsschicht an.

Abwertend und ausgrenzend  Einzelner, aber auch ganzer Bevölkerungsgruppen. Das Tragen von einem Ohrring im Mittelalter für Prostituierte, aufsetzen einer Schandmaske oder KZ Tätowierung am Unterarm.

Zahlenreihe tätowiert auf dem Unterarm. 140603

Unterarmtätowierung KZ Überlebender

 

5. politisches, soziales oder religiöses Bekenntnis sein

das reicht von einem SS Abzeichen, Kreuzanhänger, bis hin zu einem Red Ribbon Anstecker.  Aber auch ein Mönchsorden oder die Punkbewegung gehören dazu.

6.ein verstecktes oder offenes Kommunikationsmittel sein

wer einen Goldring am Ringfinger trägt, ist verheiratet. Schmuckstücke können Codes verbergen, die nur von Eingeweihten gelesen werden können.

7.bestimmte körperliche Attribute hervorkehren und betonen

Brustimplantate oder aufgespritzte Lippen sind Schmuck. Schmuckstücke, die bestimmte sexuell konnotierte Körperregionen betonen oder als stimulierend empfunden werden, Beispiel Intimpiercing.

8.Schmuck kann eine Waffe und Werkzeug sein

Pistolen, Schwerter, Stöcke, Behälter aber auch ein Angelhaken aus Stein bis hin zum Taschenmesser und Uhr mit Tiefenmesser,  die verziert  sind und mit Symbolen ausgestattet sind.

antike Pistole mit Verzierungen aus Elfenbein

eine antike Pistole die mit Elfenbeinintarsien verziert wurde

9.sehr persönlich sein und menschliche Beziehungen vertiefen und stärken 

ein Andenken an jemanden oder etwas, eine schöne Erinnerung an eine Reise,  ein Liebeszeichen, aber auch ein Memento Mori sein.

10. soziokulturelle Vorstellungen bekräftigen und verstärken

Beispielsweise Geschlechterrollen: Frauen tragen feine Kettchen, Männer hingegen große Ringe und Gürtelschnallen.

11. Demonstration von Macht und Status  sein

Insignien eines Königs bzw. Königin. Krone, Reichsapfel und Zepter.

12. kann bestrafen, gefügig machen oder belohnen

Branding eines Straftäters oder Sklaven und andere Verstümmelungen. Das Tragen von Ketten an Armen und Beinen. Bei Tieren, als Beispiel der Nasenring von einem Stier.

13. Besitzrechten anzeigen und logistischen Gründe haben. 

Branding eines Sklaven oder Tiers, Namenstätowierung am Körper

12. Geschichten erzählen und Menschheitsgeschichte rekonstruieren

tradierte Schmuckgeschichten und archäologische Funde. Aber auch direktes weitergeben von Geschichten am Körper. Beispiel Stammesgeschichte wird mithilfe von Körpertätowierungen bei den Maori weitergegeben.

Natürlich kommt es unter den verschiedenen Aufzählungen auch zu Überschneidungen und Mehrfachbedeutung.

Habe ich etwas vergessen? Falls ja, gib mir Bescheid und wir ergänzen das Sammelsurium.

Lotus Füße

Eine chinesische Frau die der hohen Kaste angehört mit deformierten “Lotusfüßen”. Schönheitsideal in China bis 1949.

Wie du siehst, Schmuck ist viel mehr als einfach nur schön oder eine vermeintliche Wertanlage. Schmuck bestimmt Tag um Tag unser Zusammenleben mit und begleitet uns von der ersten Sekunde unseres Lebens bis zu unserem letzten Atemzug.

Schmuck ist nicht nur Dekoration (NOD). Schmuck ist Leben und unser Leben ist Schmuck.

!LET’S TALKABOUT-SCHMUCK!

 

 

 

 

 

 

 

 

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