Bingo! Diesmal ist es klar, welches Schmuckstück sofort ins Auge springt. So verspricht schon der Filmtitel, dass die Perlen eine tragende Rolle für die Handlung spielen. Und ja, so ist es, aber nicht nur. Wenn du dir den Film  genauer ansiehst, wirst du entdeckten, dass der ganze Plot von Schmuckszenen wimmelt.  Die Gattin von Vermeer hat noch mehr Schmuck als bloß die Ohrringe zu bieten.

Kurze Zusammenfassung, Trailer als auch wahrer Hintergrund zum Film findest du hier.

  • Griet und Jan Vermeer. Die Verbindung

Die Beziehung zwischen Griet und Vermeer ist tiefer als sie zuerst wirken mag. Nicht alleine, die Jugend von Griet, ist es die ihn an ihr fasziniert. Es geht vielmehr um den  “Gleichklang zweier Seelen”.  Griet versteht Vermeer, seine Berufung, die Malerei. Im Gegensatz zu seiner Ehefrau, die kultiviert ist, musizieren und lesen kann, hat Griet etwas was man nicht alleine durch Bildung erlangt. Sie besitzt Gespür für die malerische Komposition und hat Interesse ihr Wissen darin zu vertiefen. Vermeer sieht in ihr zu Beginn eine Schülerin, bis er merkt, dass sich seine Gefühle ihr gegenüber verändern. Diese Grenze darf zum Wohle aller nicht überschritten werden. Seine größte Liebe ist die Malerei und Griet wird ihr am Ende geopfert.

Die Schmuckschatulle

In verschiedenen Filmszenen baut sich die Beziehung  zwischen Griet und Vermeer auf. Vier Szenen in denen Schmuck zentral ist möchte ich für dich genauer analysieren.

 

  • Mutter und Tochter mit Schmuckschatulle

 

Die dienstältere Magd erklärt der Gattin Vermeers, dass sie nicht mehr neben der Hebamme schlafen möchte, da sie durch diese ständig aufwacht. Sie will ihre Ruhe und wieder im Keller nächtigen, wo aber jetzt Griet ihren Platz eingenommen hat.  Vermeer mischt sich in die Diskussion, denn er will das junge Mädchen in seiner Nähe haben. Er schlägt seiner Frau vor, dass Griet doch am Speicher schlafen könnte, so könne sie noch, bevor sie aufsteht, das Atelier putzen.

Seine Tochter Cornelia sitzt mit ihrer Mutter am Tisch und spielt mit der Perlenkette was Catharina Bolnes, der Gattin Vermeers,  nicht passt. Die Schmuckschatulle steht offen vor ihr und sie äußert ihre Bedenken:””mein Schmuck, wer bewacht meinen Schmuck da oben, den ihr zum Malen braucht?” Daraufhin übergibt er ihr den Schlüssel zu seinem Atelier, damit sie absperren kann.

Cornelia, als auch die dienstälteste Magd Tenneke bemerken, dass sich etwas zwischen Vermeer und Griet abspielt. Man sieht, wie die Tochter einen Haarkamm in den Händen hält, und ein boshafter Blick schleicht über ihr Gesicht. In diesem Moment fasst sie den Entschluss Griet los zu werden. Seine Gattin ist bis jetzt ahnungslos, ihre Sorge, dass ihr Schmuck gestohlen werden kann, hat sich mit der Schlüsselübergabe zerstreut. Sie stimmt zu, und Griet darf ab jetzt auf dem Dachboden schlafen.

Der Kamm in den Händen von Cornelia zusammen mit ihrem ausdrucksstarken Blick offenbart ihr Vorhaben.

Der Haarkamm

Cornelia versucht einen Keil zwischen Vermeer und Griet zu treiben, denn Griet stellt eine Bedrohung für ihre Familie und eigene Zukunft dar. Als seine Gattin einen Haarkamm aus Schildpatt nicht findet, bezichtigt Bolnes, Griet ihn gestohlen zu haben. Griet ist verzweifelt und fleht Vermeer an ihr doch zur Hilfe zu kommen. Wild rasend, durchkämmt er das Haus und entdeckt den Haarschmuck am Ende, in der Bettstatt seiner Tochter. Nicht Griet hat den Kamm entwendet, es war Cornelia mit der Absicht es Griet anzuhängen. Vermeer sieht man die Erleichterung an, als er den Kamm bei den Habseligkeiten seiner Tochter findet. Anstatt die Beziehung zwischen Griet und ihrem Vater zu zerstören wird sie weiter vertieft.  Das Verhalten Vermeers, wegen einer gewöhnlichen Dienstmagd so auszurasten, zeigt wie viel im Griet bereits bedeutet. Jetzt ahnt auch seine Frau, dass sich da etwas anbahnt.

Vermeer findet den gestohlenen Haarkamm in der Bettstatt seiner Tochter

Vermeer entdeckt den gestohlenen Haarkamm in der Bettstatt seiner Tochter.

Die Halskette

Ihre Vermutung wird zur Gewissheit, als es zu dieser Szene kommt. Vermeer erhält den Auftrag von seinem Mäzen, Griet zu porträtieren. Je mehr er die Gesichtszüge von Griet betrachtet, desto tiefer werden seine Gefühle ihr gegenüber. Eines Abends sitzt er zusammen mit seiner Familie im Wohnzimmer, in der Hand hält er ein Glas Wein, und betrachtet aus der Distanz Griet, wie sie den Esstisch deckt. Seine Gattin sitzt am Wohnzimmertisch und schmückt sich. Als sie möchte, dass er ihr die Kette um den Hals schließt, reagiert er nicht sofort.  Er wirkt abwesend und seine Leidenschaft und wahre Liebe die Malerei, vermischt sich mit seinen Emotionen für Griet. Als er schließlich der Aufforderung lieblos folge leistet, setzt er sich gleich zurück auf seinen Platz und sieht weiter auf Griet. Die Kette diente seiner Gattin als Test, um ihre Position zu ermitteln und zu erfahren inwieweit Griet bereits zu seinem Liebling geworden ist. Daraufhin entlädt sich ihr Zorn verbal an dem jungen Mädchen, die zusieht, dass sie schnell das Zimmer verlässt.

Vermeer legt nach nochmaliger Aufforderung seiner Gattin die Halskette um.

Das Anlegen der Halskette als emotionale Achterbahn.

Conclusio:

Die Schmuckstücke nehmen verschiedene Funktionen ein. Der Haarkamm wird ein Mittel zur Intrige, die am Ende nicht aufgeht und stattdessen das Gegenteilige bewirkt. Die Halskette wird verwendet um zu zeigen, wie seine Frau versucht ihre verführerische Macht gegenüber ihrem Gatten zu demonstrieren, aber auch hier misslingt der Versuch. Stattdessen wird seine Frau tief verletzt und fürchtet um ihre Position.

Griet die Schülerin

Vermeer zeigt Griet im Atelier wie die Laterna Magica funktioniert, oder bringt sie zum Nachdenken, indem er sie darauf hinweist, genauer die Farbgebung der Wolken zu studieren.

Erneut befinden wir uns im Wohnzimmer. Vermeers Frau sitzt auf dem Bett während er selbst auf einem Stuhl sich ihr gegenüber befindet, die Schwiegermutter im Hintergrund, Griet ist wie ein Schatten. Er kramt in der Schmuckschatulle seiner Frau, und bittet sie die Perlenohrringe anzulegen. Während sie denkt, er möchte ihre Schönheit noch mehr hervorkehren, dient es ihm zu Studienzwecken. Als er vertieft in seine Beobachtung ist, sagt er unbesonnen darauf los:”Sieh her Griet: Wie der Lichtpunkt im Schatten des Halses das Auge leitet“. Seine Frau ist schockiert, da er die offiziellen Anstandsregeln missachtet und merkt, dass ihre äußeren Reize versagen.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring. Seine Gattin Bolyn trägt den Perlenohrring.

Für Vermeer ist in diesem Moment der Ohrring als auch seine Gattin ein Studienobjekt.

Die letzte Szene zeigt, dass nicht mehr viel dazu fehlt, seine Frau mit Griet zu betrügen. Mit Hilfe der Schmuckstücke werden die emotionalen Ups- und Downs des Ehepaars symbolisch dargestellt.

Weshalb ist der Schmuck so wichtig für Catharina Bolnes

Griet erfährt von der Magd Tenneke, dass die Vermeers Schulden hatten und er einen Teil des Schmucks seiner Gattin versetzen musste. Das hatte sie ihm nie verziehen und seit diesem Zeitpunkt betrat sie sein Atelier nicht mehr.

Während Vermeer von seinem Gönner abhängig war, war Bolnes mit ihren Kindern von diesem, als auch ihrem Gatten finanziell ausgeliefert. Indem er einen Teil ihres Schmucks versetzte, vergriff er sich an ihrer einzigen Reserve die sie, im Falle seines Ablebens, hatte. Kein Wunder, dass sie sauer auf ihn war. Schmuck ist nicht nur eine finanzielle Absicherung gewesen, sondern diente wie heute auch dazu, die Schönheit der Trägerin herauszustreichen. Und noch wichtiger, die Schmuckstücke symbolisierten ihren höheren gesellschaftlichen Status und grenzte sie von gewöhnlichen Volk ab. Der vermeintliche Diebstahl ist eine Sache, aber als Vermeer Griet mit ihren Perlenohrringen porträtiert, ist es eine Demütigung die nur schwer für sie zu verkraften ist. Denn alleine die Schatulle, gefüllt mit Perlen und sonstigen Kostbarkeiten, trennt sie vor einem Leben in Elend, wie das, welches Griet führen muss. Und indem er Griet ihre Perlenohrringe tragen lässt, stellt er sie auf die gleiche Stufe wie eine Dienstmagd.

Das nächste Mal geht es um den Farbenzauber den wir bei Vermeer antreffen und der für viele Kunstschaffende tödlich endete. Und keine Sorge, auch die Perlenohrringe werden genauer beleuchtet;)

 

 

 

 

 

Quellen:

Peter Webber. Das Mädchen mit dem Perlenohrring (2003 USA, UK, Luxemburg)

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