Schmuck und Edelsteinblog

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Der Hobbit. Schmucknarben der Orks

Es gibt keinen einzigen Elben mit fehlendem Bein oder Auge. Ist dir das schon mal aufgefallen? Sie haben auch keine Narben, oder lächeln dir mit grindigen Zähnen entgegen. Oder, ein adipöser Elbe, stell dir das mal vor!!!

Was sagt uns das über Hollywoodfilme?

Noch spannender! Was sagt das über uns, als Zuseher aus?

Welches Menschenbild sehen wir tagtäglich?

Falls du dich erst auf die Trilogie von Peter Jackson einstimmen möchtest, oder die Filme noch nicht kennst, findest du hier eine Kurzzusammenfassung inklusive Trailer.

Es brennt mir schon lange unter den Fingerkuppen diesen Artikel zu schreiben, denn ich möchte erklären, wie wichtig es ist, über Filme, die wir uns zur Unterhaltung reinziehen, ein bisschen nachzudenken. Was sehen wir da eigentlich?

So schön die Verfilmungen von Herr der Ringe und der Hobbit sein mögen, bedienen sie sich doch Stereotypisierungen, also Vorlagen, die uns bestimmte Informationen übermitteln. Diese Vorlagen ermöglichen es uns, die Handlung, und die Personen im Film, einzuordnen und zu verstehen.

Das Problem daran, diese gezeigten Stereotype, haben Einfluss auf uns. Auch wenn es uns nicht bewusst ist, prägen sich in uns unterbewusst diese Bilder und Vorstellungen ein.

Vorstellungen, wie jemand zu sein hat.

Vorstellungen wie jemand auszusehen hat.

Und nicht nur das, wir schreiben diesen Menschenbildern auch Eigenschaften zu- positive oder negative.  Wir bekommen immer wieder die gleichen Stereotype gezeigt, und weil es sich in Filmen ständig wiederholt, merken wir es uns, ob wir wollen oder nicht. Durch Wiederholung lernen wir schließlich am besten.

Wie sieht der Klassenbeste aus im Film? Er trägt eine Brille.

Wie sieht der Komiker, oder Lachnummer meistens aus- er oder sie ist dick und ungeschickt. Solche Bilder findest du auch in Herr der Ringe, und der Hobbit, und das nicht zu knapp.

In den Filmen werden einige dieser negativen oder positiven Zuschreibungen, sehr klar dar gestellt. Gut und Böse wird mit Schmuck, worunter ich Haar-, Augenfarbe, Narben, und Kostüm verstehe, unterschieden. Es ist eine Welt in Schwarz und Weiß, die abgebildet wird. Gut oder böse, schön oder hässlich, beeinträchtigt oder gesund.

Schauen wir uns mal die Orks  genauer an

Alles was bei dir und mir Urängste auslöst, ist in einen Ork gepackt. Dabei spielt die Darstellung von Behinderung eine wichtige Rolle. Denn, Behinderung macht Angst!

Ein weiterer Trigger, der bewusst filmisch eingesetzt wird:  Urvölker und ihre kulturellen Praktiken. Die bei uns geschürten Ängste sind noch nicht das eigentliche Problem, sondern die Verknüpfungen die in unseren Köpfen, durch die gelieferten Bilder entstehen.   – So werden Vorurteile gebildet –

Welche Eigenschaften schreibst du einem Ork zu?

Was ich sehe:

  • böse
  • grausam gegenüber sich selbst und anderen
  • kriegerisch
  • hinterhältig
  • manchmal feige
  • hässlich
  • ungepflegt

Wie werden uns die Eigenschaften der Orks gezeigt? 

    1.mit Behinderung und Krankheit

  • fehlende Gliedmaßen
  • Lymphödem, Geschwüre
  • trübes oder fehlendes Auge, Blindheit
  • zertrümmerter, genieteter Schädel
  • überdimensionaler Körperbau
  • schlechte Zähne

    2. mit Schmerzen und Gewalt.  Praktiken die auf Naturvölker hindeuten

  • Tiefe Narben im Gesicht und Körper (Skarifizierung)
  • Metall genietete Verletzungen
  • eingewachsene Panzerplatten am Körper und Gesicht
  • Waffen aus Metall, durch amputierte Gliedmaßen gesteckt
  • Sprache nur mit Übersetzung und Untertitel-, a la Apocalypto
  • tragen von Trophäen am Körper
  • dunkle Haut oder, extrem bleich

3. mit Ähnlichkeit von Tieren:

  • animalische Gesichtszüge und Kostüm. (Raubkatze, Dinosaurier, Echsen, Schwein)
  • Reißzähne, spitze Zähne
  • überdimensionaler Körperbau

Azog und Bolg. Behinderung und Ritual

Hier habe ich einen Ausschnitt, aus “der Hobbit” für dich, damit du dich wieder erinnerst. Der Oberbefehlshaber der Orks, Azog, ist über die erhaltenen Nachrichten eines Untergebenen nicht zufrieden und wirft ihn den dämonischen Hunden zum Fraße vor.

  • Die Schmucknarben der Orks. Azog, das Narbengesicht

Azog ist von tiefen Narben in Gesicht – und Oberkörper gezeichnet. Die Narben sind symmetrisch, daher sind es bewusst zugefügte Verletzungen, mit Bedeutung. Man sagt auch Schmucknarben dazu, oder Skarifzierung.

Skarifizierung ist eine Form von Körpermodifikation, die bei Naturvölkern vorkommen kann.

Insbesondere einige afrikanische Stämme, verwendeten diese Schmuckform, um sich von anderen Gruppen abzugrenzen, aber auch zur Verschönerung, und als Initiationsritus heiratsfähiger Mädchen. Weitere Schmucknarben konnten im Laufe der Zeit zugefügt werden. Man hielt mit den Narben – besondere Einschnitte im Leben -, im wahrsten Sinne des Wortes, fest.

Nicht nur das Zufügen der Schmucknarben ist sehr schmerzhaft, auch der erwünschte, und immer wieder gestörte Heilungsprozess. Nur so, können tiefe, wulstige Narben entstehen.

Die Brutalität der Narben, soll die Grausamkeit der Orks  gegenüber ihren eigenen Leuten, und sich selbst, zeigen. Gesichtsnarben bei Männern, wirken zudem männlicher und strahlen Gesundheit und Tapferkeit aus. Darüber gibt es wirklich Studien. Um diesen “männlichen”  Eindruck zu verstärken, wird Azog als überdimensionaler Bodybuilder gezeigt. Zu den Narben gesellen sich animalische Gesichtszüge. Azog wirkt wie eine Raubkatze in Angriffsposition. Flache Nase, Reißzähne und Gesichtsform verstärken den Eindruck.

  • Azogs Behinderung

Ein Arm von Azog ist abgetrennt. Es handelt sich um eine Kriegsverletzung die ihm in einer früheren Schlacht zugefügt wurde. Eine grausame Prothese ragt aus seinem Armstumpf. Es ist eine einfach konstruierte Metallklaue, die durch seinen Unterarm, bis zur Höhe des Ellbogens, durchgebohrt wurde. Als Azog in die Schlacht zieht, befindet sich anstelle der Klaue ein überdimensionaler Säbel. Alleine die Vorstellung, die Prothese zu ersetzen ist wirklich schaurig.

Neben sadistischen Charakterzügen, drückt die Anbringung der Waffe auch masochistisches Verhalten aus. Selbst zugefügte Schmerzen gehören zu seiner Kultur und seinem Leben, wie Menschenfleisch.

Fakt ist:

Azog gehört zur Gruppe der – Orks mit Beeinträchtigung – und nicht nur er alleine, auch Bolg. Bolg ist der Rang niedere “Offizier” und auch er wird mit schweren Kriegsverletzungen gezeigt.  Sein Schädel wird mit genieteten Metallblech zusammengehalten. Zusätzlich hat er ein trübes Auge und ist halbseitig blind.

Das heißt:

Boshafte und negative Persönlichkeiten werden mit Behinderung, oder Krankheit gezeigt. Es sind Monster mit Behinderung.

Bolg trägt übrigens noch zahlreiche Trophäen an seinem Körper. Am Rücken sind Bärenklauen auf den Schulterblättern und an einem Oberarm ein menschlicher Totenschädel befestigt. In späteren Aufnahmen, hat er zusätzlich einen Totenschädel im Schritt- also ein ganz besonderer Genitalschutz;)- und an beiden Beinen baumeln weitere Schädel.  Auch hier wird die Vorstellung der Trophäensammlung ,eine früherer Praktik mancher Naturvölker, bedient.

Neben Behinderung wird auch Krankheit alleine der “bösen Seite” zugeschrieben. Sie dir die Goblins und die Trolle genauer an!

Irgendwie ist der Goblinkönig eine Lachnummer – stark adipös

er wirkt abstoßend – Geschwüre und ungepflegtes Äußeres

und natürlich Böse – die Zwerge sind die nächste Mahlzeit.

Es sind nicht nur die Protagonisten unter den Bösewichten die mit diesen Merkmalen ausgestattet werden, sondern auch in kleinen Szenen finden sich immer wieder negative Anspielungen, in Zusammenhang mit Behinderung, oder Krankheit.

Böse Charaktere werden mit Behinderung dargestellt.

Spion und Meuchelmörder, dargestellt mit blindem Auge

Die Elben blond und blauäugig = gut und schön?

In Herr der Ringe und der Hobbit. Ja.

Die Elben sind schlank und rank, gelenkig, wendig  und sie besitzen gepflegte lange Haare und weiße Haut. Sie sind die Robin Hoods des Waldes und immer perfekt gestylt.

Die höchste “Rasse”  unter den Elben, ist blond und blauäugig. Galadriel als auch Thranduil stehen als Beispiel dafür.

Elrond ist lediglich ein Halbelbe. Seine Haare sind dunkelbraun, wie die seiner Tochter Arwen, bei ihr hat sich der Mensch genetisch durchgesetzt.

Die gesellschaftliche Rangordnung der Elben wird bereits mit der Haarfarbe definiert.

Zusammengefasst:

  • Waldelben und Untergebene Thranduils sind rothaarig,
  • Halbelben sind brünett
  • der Adel blond

Legolas, der Sohn von Thranduil, besitzt wie sein Vater blonde lange Haare. Was viele  Fans etwas verwirrte, seine Augenfarbe wechselt zwischen den Filmteilen hin und her, -einmal braun, dann wieder blau. Die Ausstatter vergaßen lediglich, auf die Kontaktlinsen von Orlando Bloom (Legolas), der in real braune Augen hat. Die gesellschaftliche Hierarchie ist mit Augen- und Haarfarbe bewusst in der Hobbbit festgelegt worden.

Hier eine Szene aus Herr der Ringe. Die blauen Augen, die du im Video siehst, machen schon richtig schwindelig. Ab Sekunde 40 geht das ” blue eye” Spektakel los und es liegt nicht an der Beleuchtung. Boromir der auch blaue Augen besitzt, kann den Blick von Galadriel nicht standhalten. Blaue Augen stehen in dieser Szene für Ehrlichkeit und Reinheit, aber auch für “das sehende Auge”. Der Blick in die Zukunft.

Und was ist jetzt mit den Zwergen und den Hobbits, die sind doch kleinwüchsig?

In real sieht sehen viele kleinwüchsige Menschen anders aus, meistens kommt es zu Deformierungen der Knochen und Mobilitätseinschränkung. Sehr wenige sind einfach nur von Kleinwuchs betroffen. Den Zwergen im Film fehlt nichts, es sind kleine perfekte Männer, – eben bloß-, in Miniatur. Sie können sogar eine Elbenfrau erobern, wie die eingeflochtene Liebesbeziehung zwischen Kili dem Zwerg und Tauriel der Waldelbin zeigt.  Und die Hobbits, erinnern ein wenig an unschuldige Kinder. Die Gliedmaße sind gerade gewachsen, egal ob dick oder dünn, sie rennen wie der Blitz, und sind beweglich wie der Wind. Die Zwerge und Hobbits sind ein kleiner Lichtblick, aber eben nur, ein kleiner. Und ja, auch hier finden sich Zuschreibungen, die vermutlich viele kleinwüchsige Menschen, als Beleidigung empfinden. Denn wie bekommt man den Stempel, ewig als Kind wahrgenommen zu werden, wieder los?

Natürlich hat Peter Jackson und sein Team, die Charaktervorlagen für Hollywoodfilme nicht erfunden, Behinderung und Bösewichte miteinander zu verbinden, hat lange Tradition in der Traumfabrik. Wir sind diese Welt, die in gut und böse, schwarz und weiß aufgeteilt wird, so gewohnt, dass es schwierig ist, ohne sie eine Geschichte zu erzählen, die von uns, dem Publikum, verstanden wird. Aber es ist nicht unmöglich! Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Jeden Regisseur sollte es reizen, diese Herausforderung anzunehmen.

Schon gehört? Eine “Herr der Ringe” Serie ist geplant;)  ich bin schon gespannt, welchen Schmuck es dort zu entdecken gibt. Es wird nicht weniger werden, welch Glück für mich:)

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Filmtrilogie:

Peter Jackson. Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (2012 NZ, USA)

TC:1:29:28; TC:0:02:15

Peter Jackson. Der Hobbit: Smaugs Einöde (2013 NZ, USA)

TC:0:25:31

Peter Jackson. Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere(2014 NZ, USA)

TC:0:25:07; TC:1:45:18

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2 Kommentare

  1. Ich finde, gerade dass sowohl in ‘Der Hobbit’ als in ‘Herr der Ringe’ die Hobbits die Helden sind, einen der schönsten Aspekte der Film. Dass eben die friedliebenden kleinen Hobbits mit ihren haarigen Füßen und ihrem Optimismus die Helden sind, und nicht die “glattgebügelten” und gutaussehenden Krieger.

    • stimmt, das ist wirklich ein sehr schöner Aspekt, wenn man es so sieht. Leider werden aber sehr viele Stereotype der Hollywoodfilmindustrie in der Hobbit, oder Herr der Ringe bedient. Und ich entblättere diese indem ich mir die Symbol- und Schmucksprache genauer anschaue. Interessant wäre der Standpunkt von jemanden der kleinwüchsig ist, wie er/sie das wohl sieht? Liebe Grüße:)

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